Donnerstag, 8. Dezember 2016

Hilfe, es juckt! 

Von Kristina Kaltenbach und Jannis Hilliges


Simon ist 9 Jahre alt und geht in die 3. Klasse einer Gemeinschaftsschule in Stuttgart.
Seine Freunde trifft er oft auf dem Sportplatz der Schule und am Wochenende übernachtet er gerne bei Seinem Besten Freund Alex.
Im Winter trägt Simon am liebsten seine selbstgemacht Wollmütze, die er von Seiner Großmutter vor zwei Jahren bekommen hat. Immer, wenn ihm unter der Mütze warm wird, fängt sie an ein wenig zu jucken, aber das stört Simon nicht weiter. An einem normalen Montag nachdem er das Wochenende bei Alex verbracht hat, hört das jucken nicht auf, als er die Mütze angezogen hat. Simon bemerkt erst gar nicht, dass er sich alle 30 Sekunden am Kopf kratzen muss, weil er so von den Ereignissen am Tag abgelenkt ist. Erst als ihn seine Sitznachbarin genervt darauf anspricht, warum er sich so viel kratzen muss, fällt ihm auf, dass sich sein Kopf unangenehm anfühlt. Also reist er sich zusammen und versucht dem Juckreiz zu wiederstehen. Plötzlich kann er an nichts anderes mehr denken und das Bedürfnis zu kratzen wird der einzige Gedanke den er überhaupt fassen kann. Immer wenn er alleine ist oder gerade niemand hinschaut gibt Simon dem Bedürfnis nach. Das geht so ein paar Tage bis er sich traut, seinen Eltern davon zu erzählen. Diese schöpfen sofort Verdacht und untersuchen Simons Kopfhaut sogfältig auf Läuse. Es wuselt auf Simons Kopf und die Eltern informieren umgehend die Schule. Aber es ist zu spät, Alex wurde schon am Wochenende infiziert und die Halbe Klasse klagt über juckende Kopfhaut. Im Winter tauschen sie oft Mützen, leihen Stifte und waschen selten Hände.
Was soll die Schule jetzt tun, wie könne Eltern vorgehen? Wie erklärt man diese Situation den unwissenden Schülern? Und kann man solchen "Katastrophen" vorbeugen?
Welche Gefahren gibt es noch? Was sagen soziale Medien dazu? Welche Vorurteile und Mythen müssen aus der Welt geschafft werden? Und was sollte man zu Parasiten als Bio-Lehrkraft unbedingt wissen?
Diese Fragen beschäftigen uns in unserem Blogbeitrag.


  

1. Definition

Parasiten sind pflanzliche oder tierische Organismen, welche einen weiteren Organismus befallen und diesen als Wirt Nutzen [1]. Dabei können sowohl Pflanzen, Tiere oder Menschen als Wirte genutzt werden, wobei die Wahl des Wirtes vom Parasiten und dem Zweck abhängig ist [2]. So ist ein Wirt als Zwischen- und Endwirt möglich und haben auch unterschiedliche Auswirkungen in diesen. Parasiten werden häufig als Schmarotzer oder Mitesser bezeichnet, da sie eine einseitige interspezifische Wechselwirkung mit ihren Wirt eingehen um ihre Ressourcen zu erhalten [1,2]. Häufig schädigen Parasiten ihren Zwischenwirt  indirekt und lösen eine typische Krankheit aus, welche auch tödlichen Verlaufen kann, während eine Schädigung im Endwirt selten oder verzögert auftritt.  Parasiten können hierbei unterschiedlich nach ihrem Vorkommen und ihrem Zweck klassifiziert werden. Vektoren wie die Anopheles Mücke oder die Raubwanzen sind  typische Beispiele, da diese unterschiedliche Gattungen der Tryponosomen übertragen und Krankheiten wie Malaria oder die Chagas Krankheit beim Zwischenwirt auslösen können.
In diesem Artikel sollen die am häufigsten in Deutschland vorkommenden Parasiten bei Kindern und Jugendlichen sowie ihre Übertragung aufgezeigt werden. Die dabei entstehenden Krankheiten und ihre Behandlung sollen zudem erläutert werden. Zudem sollen Mhyten und Unwissen bezüglich Parasitärer Erkrankungen beseitigt werden.

2. Klassifizierung

Parasiten nutzen ihren Wirt zur Nahrungsaufnahme oder auch zu Vermehrung, wobei die meisten Parasiten versuchen ihren Endwirt nicht zu schädigen. Es gibt  Mikroparasiten wie Viren, Bakterien oder auch einzellige Eukaryoten welche direkt oder auch indirekt, über Zwischenwirte,  auf den Menschen übertragen werden können. Hierbei kann es auch vorkommen, dass der Mensch entweder als Zwischenwirt oder Fehlwirt fungiert, was zu einem stärkeren Krankheitsbild führen kann. Zudem gibt es auch Makroparasiten welche häufig Würmer, Milben oder auch Läuse sind. Parasiten besitzen häufig eine enge Wirtsspezifität und schnelle Vermehrungszyklen, welche häufig mit einem komplexen Lebenszyklus der Parasiten und einem häufigen Wirtswechsel verbunden ist [3].  Dies ermöglicht den Parasiten eine rasche evolutionäre Anpassung an den Wirt. Die häufigsten in Deutschland vorkommenden Parasiten lassen sich in zwei größere Subgruppen einteilen, die Endoparasiten und Ektoparasiten.  Die Endoparasiten umfassen hierbei die Helminthen und die Protozoen, während die Ektoparasiten die Makroparasiten der Läuse Milben und Flöhe beinhaltet. Zudem gibt es in Deutschland noch zwei  weitere wichtige Überträger von parasitären Krankheitserregern, nämliche die Wanzen und die Zecken.
Die wichtigsten in Deutschland vorkommenden Endoparasiten mit ihrem Vorkommen, der Übertragung,  der Krankheit und ihren Symptome sowie ihrer jeweiligen Behandlung sind in Tabelle dargestellt.
Zu den Ektoparasiten zählen unter anderem die Kopf- und Filzläuse [20, 21]. Läuse sind Insekten, welche in ganz Europa vorkommen.  Der Kopflausbefall nahm in den  letzten Jahren zu, wobei ein deutlicher Anstieg nach den Sommerferien zu beobachten ist.  Die Häufigkeit der Kopflausinfektion wird in den Industrieländern auf circa 3% geschätzt, wobei häufig Kinder betroffen sind.  Entgegen der weitläufigen Meinung hat ein Läusebefall nichts mit Hygienischen Maßnahmen bzw. Vorkommnissen innerhalb der Familie zu tun. Läuse können so gut wie jeden Menschen befallen und haben besonders gute Verbreitungsmöglichkeiten in Gemeinschaftseinrichtungen. Die Läuse werden durch Köperkontakt und/oder infizierten Gegenständen wie Mützen übertragen. Durch gewisse Hygienischen Maßnahmen, wie regelmäßiges waschen der Kleider kann eine Verbreitung eingedämmt bzw. verhindert werden. Entgegen den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts werden Kinder immer noch vom Schulunterricht oder der Kindergartenbetreuung ausgeschlossen, weil sie nach einer Behandlung nicht „nissenfrei“ seien. Diese Praxis ist kontraproduktiv, weil sie die Kinder stigmatisiert und die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kindergarten- und Schulpersonal und den Gesundheitsbehörden behindert.
Ein weiterer Vertreter der Ektoparasiten sind die Milben. Milben gehören zu der Klasse der Spinnentiere und sind unmittelbare Verwandte der Zecke [22, 23]. Ihr wichtigster Vertreter ist die Hausstaubmilbe. Diese Art kommt hauptsächlich in menschlichen Wohnungen vor und besiedeln hauptsächlich Matratzen und das Kopfkissen, da hier genügend Hautschuppen als Futter vorhanden sind. Ihre Übertragung erfolgt durch die Verschleppung in andere Wohnungen. Wesentliche Überlebensfaktoren für Milben sind die Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Milben bzw. deren ihr Kot sowie ihren Eier rufen meist eine Allergene Wirkung beim Menschen hervor.  Der Kot und die Eier der Milben verteilen sich als allergieauslösende Stoffe mit dem Hausstaub, weswegen eine regelmäßige Entfernung des Hausstaubs zu einer Verminderung der Allergie führen kann. Des Weiteren kann eine Reduzierung der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit einen positiven Effekt auf die Verminderung der Allergie haben.  Zecken zählen zudem zu den Milben [25, 26].  Zecken übertragen bei einem Stich häufig Krankheitserreger auf den Menschen. Dabei können die Menschen unter anderem an Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Rickettsiosen erkranken. Hierbei kann besonders die FSME Erkrankung  lebensgefährlich sein, da diese zu Gehirnentzündungen führen kann und zurzeit keine Behandlung möglich ist. Deswegen ist eine Impfung gegen den Virus, der alle Jahre aufgefrischt werden muss, sinnvoll und wird Empfohlen. Typische erste Anzeichen eines Bisses die Entdeckung einer Zecke aber auch eines plötzlich auftretender roter Ring (Wanderröte)  um die Bissstelle. Sollte man dies bei sich oder seinem Kind entdecken ist der Gang zu einem Arzt sinnvoll.
Die circa 3 Millimeter großen Flöhe [24]  zählen ebenfalls zu den Ektoparasiten. Sie haben eine wichtige Bedeutung in der Geschichte, da der Rattenfloh durch seinen Biss nachweislich den Erreger der Pest (Yersinia pestis) übertragen kann. An dieser Infektionskrankheit starben, vor allem aufgrund zahlreicher unzureichender Hygienemaßnahmen und den folglichen Rattenüberfluss, viele Menschen im 19 Jahrhundert. Des Weiteren kann der Floh auch weitere verschiedene Bakterien oder auch Bandwürmer durch seinen Biss übertragen, die wiederum Krankheiten auslösen können.

Tabelle 1: Häufige in Deutschland vorkommende Endoparasiten. 
Klasse
Umgangssprachlicher Name
Wissenschaftlicher
Name
Infizierung
Krankheit
Ursachen
Symptome
Diagnose
Behandlung
Helminthen (Würmer)
Spulwurm [4,5]
Ascaris lumbricoides
Orale Eiaufnahme
Darmparasit
Toxine des Parasiten
Darmkrämpfe
Darmverschluss
Übelkeit
Müdigkeit
Mikroskopische
Kotuntersuchung
Anthelminthika
(z.B. Mebendazol)

Madenwurm  [3,6]
Enterobius vermicularis
Orale Eiaufnahme
Darmparasit
Eiablage außerhalb des Anus
Oft unbemerkt
Juckreiz am After
Verdacht
Anthelminthika
(z.B. Mebendazol) und besondere Hygienemaßnahmen

Peitschenwurm  [3,7]
Trichuris trichiura
Orale Larvenaufnahme
Dickdarm Entzündungen
Verankerung in der Darmschleimhaut
Blutiger Durchfall
Bauchschmerzen Gewichtsverlust
Mikroskopische
Kotuntersuchung
Anthelminthika
(z.B. Mebendazol)

Filarien [8,9]
z.B. Wuchereria bancrofti
Übertragung durch Mücken
Filariosen bzw. Elephantiasis
Ansiedlung der Würmer in Lymphgefäßen
Schwellungen und Entzündung der Lymphgefäße
Blutbild
Anthelminthika
(z.B. Mectizan)

Trichinen [10,11]
Trichnella
Verzehr von trichinigen (Roh-) Fleisch
Darm- oder Muskelparasit
Darm- oder Muskelbesiedlung
Durchfall
Fieber
Muskelschmerzen
Ödeme
Immunbiologische Nachweis
Biopsie
Anthelminthika
(z.B. Fenbendazol)

Hundespulwurm [12,16 ] / Katzenspulwurm [12,16]
Toxocara canis /
Toxocara cati
Orale Eiaufnahme
Sämtliche Körperorgane
Esonophile Infiltration und Entzündungen
Fieber
Husten
Abdominalschmerzen
Immunbiologische Nachweis

Benzimidaziderivate


Rinderbandwurm  [13,14]
Taenia saginata
Verzehr von Finnenhaltigen Rindfleisch
Darmparasit
-
Symptomlos
Mikroskopische
Kotuntersuchung
Einzeldosis von Praziquantel

Zwergbandwurm [13,15]
Hymenolepis nana
Kontaktinfektion oder Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln
Darmparasit
Schädigung der inneren Darmoberfläche
Intensitätsabhängig; Kopfschmerzen
Müdigkeit
Magenverstimmung
Mikroskopische
Kotuntersuchung
Längerdauernde Behandlung mit Niclosamid oder Paromomycin

Fuchsbandwurm [16,17]                     
Echinococcus multilocularis
Orale Eiaufnahme durch kontaminierte Lebensmittel
Sämtliche Körperorgane
Infilatriv wachsnede und Organ zunehmend zerstörende Gebilde
Später Symptomauftritt, dumpfer Druck in der Lebergegend
Serologischer Nachweis von Antikörpern und bildgebend e Verfahren
Langzeittherapie mit Albendazol
Protozoen
Giardien [18]
Giardia intestinalis
Orale Aufnahme
Lamblienruhr
Anheftung an die Darmepithelzellen
Meist Symptomlos
Mikroskopische
Kotuntersuchung oder MIFC Verfahren

Antibiotika
(z.B. Metronidazol)

Amöbe [19]
Entamoeba histolytica                
Orale Zysten Aufnahme durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel
Amöbenruhr
Befall innere Organe
Gewebe auflösende Verdauungssekrete
Durchfall
Abszesse
Mikroskopische
Kotuntersuchung
Antibiotika
(z.B. Tetrazykline)

  

 Tabelle 2: Häufige in Deutschland vorkommende Ektoparasiten. 
Klasse
Umgangssprachlicher Name
Wissenschaftlicher
Name
Infizierung
Symptome
Ursachen
Übertragung
Diagnose
Behandlung
Insekten
Kopflaus [20,21] /
Filzlaus [20,21]

Pediculus humanus capitis / Pthirus pubis
Körperkontakt mit Infizierten bzw. deren Gegenständen
Lymphknotenschwellungen
Juckreiz
Blutsaugender Parasit
Übertragung von Krankheitserregenden  Bakterien möglich (selten)
Identifizierung mit dem bloßen Auge
Lokale Entfernung bzw. medikamentöse Behandlung  (z.B. mit NYDA)

Insekten
Menschenfloh [24]
Pulex irritans
Biss eines Tieres / Flöhe springen auf den Menschen über
Juckreiz
Stiche der Parasiten verursachen Wunden
Übertragung von Bakterien oder Bandwürmern
Identifizierung mit dem bloßen Auge
Äußerlich: verschiedene Insektizide,
Innerlich:  z.B. Fluralaner
Spinnentiere
Hausstaubmilben [22,23]
Dermatophagoides
Biss eines Tieres / Verschleppung durch den Menschen
Allergene Wirkung
Entstehung von Staub durch Kot und Eier
-
Hervorrufen einer Allergenen Reaktion
Desensibilisierung und/oder die Gabe von Antihistaminika
Spinnentiere
Zecken [25,26]
Ixodida
Biss eines Tieres 

Wanderröte
Fieber
Kopf- und Gliederschmerzen
Verschiedene Krankheitserreger
Übertragung verschiedener Krankheitserreger (Borrelia burgdorferi,  FSME-Viren,..)
Blutbild
Antikörpernachweistests (ELISA)
Unterschiedlich
Zum Teil durch Antibiotika


3. Prävention

Prävention von Endoparasiten

Die bekanntesten und häufigsten Endoparasiten sind die Spulwürmer, Bandwürmer und die Giardia intestinalis (Lamblienuhr).
Um sich vor dem Befall dieser Parasiten zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Bezüglich der Endoparasiten sind vor allem vorbeugende Hygienemaßnahmen wie Hände waschen, Gemüse gut putzen und kochen sowie Kontakt mit Fäkalien zu vermeiden die beste Prävention. So gelangen bereits beispielsweise Spulwurmeier durch ungewaschenes Gemüse, welches mit Eiern verunreinigt ist, in den menschlichen Körper. Verunreinigtes Trinkwasser und warmes Klima vergrößern die Übertragungsgefahr. Somit ist es sinnvoll, verunreinigtes Wasser und Gemüse vor dem Verzehr abzukochen oder gründlich zu waschen und sich vor dem Verzehr von Essen die Hände zu waschen [27].
Kinder und Erwachsene sollten zudem bei Haustieren keinen bloßen Kontakt zu Fäkalien haben. Der Befall von Bandwürmern, besonders der von Rinderbandwürmern, erfolgt häufig über den Verzehr von rohem oder halbgarem Fleisch, welche Bandwurmlarven enthalten können. Wird das Fleisch fachgerecht durchgefroren und unter -18°C gekühlt, werden alle Larven getötet. Des Weiteren ist es sinnvoll, das Fleisch vor dem Verzehr komplett durchzugaren und somit eventuelle Larven abzutöten [28].
Die Lamblienruhr lassen sich am besten wieder durch ausreichende Hygienemaßnahmen wie zum Beispiel gründliches Hände waschen vorbeugen. So können die Erreger in verunreinigten Wasser und Lebensmitteln vorkommen und werden auch über Ausscheidungen des Körpers verbreitet. Hunde und Katzen können ebenfalls wie der Mensch Träger und Wirt dieses Erregers sein und sich somit gegenseitig anstecken [29].
Prävention von Ektoparasiten
Ektoparasiten leben ausschließlich auf der Körperoberfläche und ernähren sich dort überwiegend von Blutmahlzeiten. Die bekanntesten und häufigsten Vertreter in Deutschland sind Läuse, Flöhe und Zecken.
Kopfläuse werden in den allermeisten Fällen über direktem Haar zu Haar Kontakt übertragen. Läuse können weder springen, noch fliegen und sind daher auf direkten Kontakt mit einem neuen Wirt angewiesen. Dennoch ist es nicht unmöglich, dass sich eine Laus in einer Mütze oder einem Schaal verfängt und so zu anderen Köpfen gelangen kann. Die Laus ernährt sich von Blut in der Kopfhaut und muss regelmäßig Blut zu sich nehmen, weshalb es höchst unwahrscheinlich ist, dass sie längere Zeit ohne Wirt überlebt. Kinder kommen häufig in engeren Kontakt miteinander beim Spielen, wodurch die Parasiten schneller verbreitet werden.  Vorbeugen kann man deshalb nur durch vorsichtigen Umgang mit fremden Köpfen und schneller Behandlung, wenn es doch zum Ausbruch kommt[30]


Flöhe ernähren sich genau wie Läuse von Blut, jedoch sind sie bezüglich des Wirts flexibler. So können sie buchstäblich von Wirt zu Wirt springen. Sie überdauern auch ohne Blut mehrere Wochen und sind deswegen schwerer zu bekämpfen, wenn sie einmal im Haus sind.  Anders als angenommen hat der Flohbefall nichts mit der Hygiene zu tun. Lediglich der Kontakt zu Tieren vergrößert das Risiko. Flöhe nisten sich beim Menschen an behaarten Stellen ein und können auch in Matratzen und Polstern zeitweise überleben. Bekämpfen kann man sie dadurch nur mit Hilfsmitteln, welche die Flöhe chemisch oder mechanisch töten. Den Arzt sollte man aufsuchen, wenn man von einem Floh gebissen wurde. Dieser Biss verursacht Juckreiz und kann in seltenen Fällen auch Krankheiten übertragen [31].
Auch Zecken sind Blutsauger. Sie können Menschen wie Tiere befallen und leben in hohen Wiesen und am Waldrand. Sie können Träger des FSME-Erregers und von Borreliose sein und den Menschen infizieren. Um den Kontakt mit Zecken zu vermeiden, kann man nur lange Hosen tragen oder den Wald gänzlich meiden.
Ist man doch von einer Zecke befallen, kann man sie schnell und wirksam mit Zeckenzangen entfernen [32].  



4. Statistische Verteilung der Endo- und Ektoparasiten

1) Direkter Borreliose Erregernachweis aus der Zecke:

Wie im Diagramm zu sehen ist trugen im Durchschnitt 15,3% der untersuchten Zecken eine der erkannten Borrelien-Typen in sich und hätten somit möglicherweise eine Infektion des Wirtstieres mit Borrelien auslösen können.





22) FSME-Risikobereiche in Deutschland:

Abbildung 2: Pfizer Deutschland GmbH: https://www.zecken.de/de/krankheit-fsme

5. Vorurteile und Mythen

Wer Läuse hat, wäscht sich nicht gut genug!

Die allgemeine Annahme, dass Läuse etwas mit der Körperhygiene zu tun haben ist so nicht richtig. Läuse werden nur über den direkten Kontakt weitergegeben, also auch an jeden, der sich regelmäßig und gründlich wäscht. Ein frisch gewaschener und gut duftender Kopf ist sogar noch attraktiver für Läuse. Trotzdem sollte man bei einem Läuseausbruch nicht zögern und sofort die den Parasiten bekämpfen.

Läuse befallen den Menschen nur im Winter!

Läuse sind das ganze Jahr aktiv und auf der Suche nach Köpfen. Im Winter macht es wahrscheinlich dadurch den Anschein, als gäbe es mehr Läuseausbrüche, weil mehr Kinder Mützen im Klassenzimmer rumgeben und dadurch das Risiko vergrößern.

Zecken springen von Bäumen!

Zecken müssen sich von Ihrem Wirt abstreifen lassen und haben weder die  Möglichkeit zu gleiten oder zu fliegen, noch eine gezielte Punktlandung auf einem Wirt zu landen. Durch feine Sensoren an den Vorderbeinen können sie lediglich einen potentiellen Wirt wittern und sich an einem Grashalm in Bereitschaft begeben. Zecken sind auf das zufällige Vorbeikommen eines Säugers angewiesen, weshalb sie oft Jahrelang ohne Blutmahlzeit überleben können und die Vermehrung in inflationären Zahlen geschieht.

Weitere interessante Mythen über Parasiten hier: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-04/parasiten-irrtuemer/seite-2  

6. Fazit

Parasiten sind Lebensformen, die sich darauf spezialisiert haben, schmarotzerisch in und an anderen Organismen zu Leben. Durch das Schmarotzerische Leben dieser Organsimen oder die Übertragung von Krankheitserregern, könne wir Erkranken. Wir Menschen fühlen uns oft Unwohl als Wirt und entwickeln aus diesem Grund  verschiedene Strategien, um uns vor Parasiten zu schützen. Die gängigste Strategie ist die Hygiene und die Erziehung zu hygienischem Umgang mit Lebensmitteln und dem eigenen Körper. Aus diesem Grund wird oft von mangelnder Körperhygiene ausgegangen, wenn sich jemand mit einem Parasiten ansteckt. Dass dieser Zusammenhang nicht immer richtig ist, zeigt uns die Kopflaus, die schnell jeden Kopf befallen kann, der ihr zu nah kommt. Daher stellt sich die Frage  wie viel Körperpflege aus Angst vor Parasiten gesund ist? Wie viel Panik ist bei einem Zeckenbiss angebracht? Wie exzessiv soll man Lebensmittel Waschen um Mögliche Erkrankungen vorzubeugen? Und wird die parasitische Lebensform im Biologieunterricht genug gewürdigt? Lasst uns gemeinsam über die verschiedenen Präventionsmöglichkeiten diskutieren und vor allem überlegen in wie weit dies uns als zukünftige Lehrer und Lehrerinnen betrifft!

7. Referenzen

1. Duden Deutschland:  http://www.duden.de/rechtschreibung/Parasit; Aufgerufen am 14.11.2016.
2. Wehner, R., Gehringer, W. und Gehringer W.J. (2007). Zoologie: 17 Tabellen ; Glossar mit 830 Stichworten. Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, 24. Auflage, S.881.
3. Wehner, R., Gehringer, W. und Gehringer W.J. (2007). Zoologie: 17 Tabellen ; Glossar mit 830 Stichworten. 24. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, S.582.
4. Matthes, D. (1988). Tierische Parasiten: Biologie und Ökologie, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, S. 121
5. Groß, U. (2013). Kurzlehrbuch Medizinischer Mikrobiologie und Infektiologie, 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York.
6. Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (2913). DGPI Handbuch. Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart / New York.
7. Schulz, E. C. (1998). Welches Organ wird vom Peitschenwurm infiziert? Mikrobiologie für die mündliche Prüfung, Springer Berlin Heidelberg, S. 134-136.
8. Schweiger, M; Schweiger, M.R.; Schweiger, M. (2009). Biologie und molekulare Medizin: für Mediziner und Naturwissenschaftler. 7. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, S.359.
9. Hiepe, T.; Lucius, R.; Gottstein, B. (2006).Allgemeine Parasitologie: mit den Grundzügen der Immunbiologie, Diagnostik und Bekämpfung. Parey in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, S. 138.
10. Gaase, A. (1949). Der immunbiologische Nachweis der Trichinose bei Mensch und Tier. Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten, S. 570-576.
11. Mehlhorn, H. (2012). Die Parasiten der Tiere: Erkrankungen erkennen, bekämpfen und vorbeugen. 7. Auflage, Springer Spektrum, S. 292.
12. Darai,G.; Handermann, M.; Sonntag, H.G.; Zöller, L. (). Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. 4. Auflage, Springer Spektrum , S. 850.
13. Mehlhorn, M.,  Piekarski, G. (20002): Grundriss der Parasitenkunde. 6. Auflage. Spektrum, Heidelberg.
14. Rinderbandwurm-Infektion beim Menschen – Informationen des Robert Koch-Instituts.
15. Stahel, E. (1977). Therapie der Darmparasitosen. DMW-Deutsche Medizinische Wochenschrift, Nr. 102(04), S. 133-135.
16. Poeggel, G. (2005).Kurzlehrbuch Biologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York, S. 184.
17. Jassoy, C.; A. Schwarzkopf (2013). Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. 2 Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York, S. 156.
18. Giardieninfektionen: https://web.archive.org/web/20150109040853/http://www.laboklin.de/de/VetInfo/aktuell/lab_akt_0701.htm; Aufgerufen am 02.12.2016.
19. Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Amöbenruhr; Überarbeite Version vom Juli 2016. Publiziert in AWMF online. Aufgerufen am 02.12.2016.
20. Richter, J., Stöver, I. M., Walter, S., Mehlhorn, H.und Häussinger, D. (2005). Kopfläuse–Umgang mit einer wieder auflebenden Parasitose. Deutsch Ärzteblatt, Nr. 102(36).
21. Mehlhorn, M. , Peters, W (1983). Diagnose der Parasiten des Menschen, einschließlich der Therapie einheimischer und tropischer Parasitosen. Fischer, Stuttgart.
22. Mehlhorn, B. und Melhorn, H. (1990). Zecken, Milben, Fliegen, Schaben...: Schach dem Ungeziefer. Springer Verlag, S. 23.
23. Höger, P.H. (2007).Kinderdermatologie: Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen. 2. Auflage, Schattauer Verlag Stuttgart New York, S. 29.
24. Mehlhorn, H. (2012). Die Parasiten des Menschen: Erkrankungen erkennen, bekämpfen und vorbeugen. 7. Auflage, Springer Spektrum S.244.
25. Mehlhorn, H. (2012). Die Parasiten des Menschen: Erkrankungen erkennen, bekämpfen und vorbeugen. 7. Auflage, Springer Spektrum S.213.
26. Süss, J., Fingerle, V., Hunfeld, K. P., Schrader, C., und Wilske, B. (2004). Durch Zecken übertragene humanpathogene und bisher als apathogen geltende Mikroorganismen in Europa. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, Nr. 47(5), S. 470-486.
27. BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung):  https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/spulwuermer/; Aufgerufen am 30.11.2016
28. BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung):  https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/rinderbandwurm/; Aufgerufen am 30.11.2016
29. Symptomat.de: http://symptomat.de/Giardiasis_(Lambliasis); Aufgerufen am 30.11.2016.
30. BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung): https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/kopflaeuse/ursachen/; Aufgerufen am 30.11.2016)
31. BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung): http://www.familie.de/gesundheit/flohbisse-541137.html; Aufgerufen am 30.11.2016.
31. Deutsches Ärzteblatt: http://www.aerzteblatt.de/archiv/160811; Aufgerufen am 06.12.2016.