Burnout – eine Volkskrankheit?
Eine Beitrag von Victoria Böse
Was ist überhaupt ein Burn-Out?
Der US-amerikanische Psychotherapeut Herbert Freudenberger befasste sich 1974 erstmals
mit dem Thema „Burn-out. Er definierte Burn-Out damals als vermehrtes ,,Ausbrennen‘‘,
was letzten Endes als der Inbegriff von Burn-Out festgelegt wurde.
Heutzutage gibt es
mehrere verschiedene Definitionen von einem Burn-Out.
„Burnout ist ein Syndrom von emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und verminderter
subjektiver Leistungsverringerung, das unter Individuen auftreten kann, die auf irgendeine
Art mit Menschen arbeiten“ (Maslach 1986, in B. Reime (Hrsg.), 2000, S. 144).
Der Burn-Out-Zyklus:
Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen
Stadium 2: Verstärkter Einsatz
Stadium 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Fehlleistungen treten gehäuft auf
Stadium 5: Umdeutung von Werten
Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
Zynismus, Ungeduld, Intoleranz
Stadium 7: Rückzug
Hoffnungslosigkeit
Stadium 8: Verhaltensänderung
Verstärkter Rückzug
Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
Gefühl wie eine Maschine automatisch zu funktionieren.
Stadium 10: Innere Leere
Stadium 11: Depression
Verzweiflung, Erschöpfung
Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung
Die Abgrenzung Burnout zu Erschöpfung und Depression
Erschöpfung / Burnout
Anstrengende Lebensumstände können Menschen extrem belasten, bis sie einen Punkt
erreichen, an dem sie das Gefühl haben: Ich kann nicht mehr, ich bin erschöpft, leer und
ausgebrannt. Hierbei kann sowohl beruflicher Stress als auch privater Stress körperliche und
psychische Beschwerden auslösen. Mögliche Ursachen hierfür sind dauerhafte Über- oder
Unterforderung, ständiger Zeitdruck, Konflikte mit Kollegen, aber auch extreme
Einsatzbereitschaft, die zur Vernachlässigung eigener Bedürfnisse führt. Diese beruflichen
Stressfolgen sind eine häufige Ursache für Krankschreibungen und Fehltage. Es gibt jedoch
keine eindeutig klare Abgrenzung zwischen Burnout und dem chronischen
Erschöpfungssyndrom (CFS), es ist schwierig zu differenzieren, da einige Symptome sich
überschneiden. Wichtige Merkmale des CFS sind:
➢ Halsschmerzen und geschwollene, empfindliche Lymphknoten
➢ Muskel- und Gelenkschmerzen
➢ Kopfschmerzen, plötzlich regelmäßig auftretende Migräneanfälle
➢ Keine Erholung im Schlaf
➢ Grippesymptome, wie Fieber und Mattigkeit nach dem Sport
➢ Beeinträchtigung der Konzentration und des Kurzzeitgedächtnisses
➢ Wortfindungs- und Lesestörungen
➢ Neue, ständig wechselnde Allergien
Anders gestaltet sich das Burnout-Syndrom. Hier treten folgende Symptome gehäuft auf:
➢ Gefühl, unentbehrlich zu sein und nie genügend Zeit zu haben
➢ Einschränkung sozialer Kontakte auf Kunden, Patienten, Klienten etc.
➢ Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit und inneren Leere
➢ bröckelndes Selbstwertgefühl
➢ Pessimismus, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, schwindende Kreativität
➢ Angstzustände, Schlafstörungen und Albträume
➢ erhöhter Blutdruck, Herzklopfen und Engegefühl in der Brust
➢ Übelkeit und Verdauungsbeschwerden
➢ sexuelle Probleme
➢ starke Gewichtszunahme oder -abnahme infolge veränderter Essgewohnheiten
➢ verstärkter Konsum von Nikotin, Alkohol oder Koffein
➢ erhöhte Infektionsanfälligkeit
Depression/ Burn-out
Die Depression weist eine ähnliche Symptomatik auf wie das Burn-out Syndrom. Aufgrund
dessen fällt es oft äußerst schwer diese beiden Begriffe klar voneinander zu trennen und zu
unterscheiden. Gemeinsamkeiten in den Symptomen wären beispielsweise der Verlust von
Motivation und der Interessen, sowie auch das Gefühl wenig kompetent zu sein und
gewissen Anforderungen nicht mehr gerecht werden zu können. Die Differenzierung
zwischen Burn-out und Depression ist daher nicht unbedingt auf die Symptomatik zurück zu
führen, sondern darauf, dass beide aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet werden
müssen. Eine Depression kann an bestimmten Haupt- und Nebensymptomen erkannt
werden:
Hauptsymptome:
➢ niedergedrückte Stimmung: Tiefe Niedergeschlagenheit
➢ innere Leere und Verlust von Interessen: Empfinden weder Freude noch andere
Gefühle/ Interesse geht verloren/Aufmunterungsversuchen schlagen fehl
➢ Antriebslosigkeit und Müdigkeit, ständig geistig und körperlich erschöpft, Müdigkeit
wird zum Normalzustand
Nebensymptome:
➢ starke Selbstzweifel
➢ Schuldgefühle und Selbstvorwürfe
➢ Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
➢ extremes Schlafbedürfnis oder Schlafstörungen
➢ starke Unruhe und innere Erregtheit
➢ Verlust des sexuellen Interesses
Diese sind deutlich zu unterscheiden von denen eines Burn-outs. Vom Burn-out betroffene
Menschen sehen ihre Arbeitssituation als negativ und leiden insbesondere unter
emotionaler Erschöpfung und verminderter persönlicher Leistungsfähigkeit.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Phänomenen liegt des Weiteren darin, wie
erkennbar die traumatischen Erlebnisse sind, welche Wirkung sie auf Körper und Seele und
welche Auswirkungen sie auf das Stresssystem haben.
Die Ähnlichkeit der Symptome kann dazu führen, dass einige Menschen die Diagnose Burnout bekommen, obwohl sie eigentlich an einer Depression leiden. Gerade weil sich die
Beschwerden ähneln, sollten keine voreiligen (Eigen-)Diagnosen gestellt werden. Bisher
existieren noch keine einheitlichen Diagnoseinstrumente, um die Erkrankung in ihrer
Gesamtheit zu erfassen.
Viel zu selten findet eine Überweisung an Fachärztinnen und
Fachärzten statt, um tatsächlich ein Burn-out feststellen zu können. Im Gegensatz zu
anderen psychischen Erkrankungen ist das Burn-out eine Erkrankung, die zwischen Frauen
und Männern keinen Unterschied in der Diagnosestellung als auch bei sämtlichen Therapien
aufweist. Bis heute existieren noch zu wenige Untersuchungen mit dem Fokus auf eine
geschlechtsspezifische Betrachtungsweise.
Burn-out-Syndrom: Risikofaktoren
Burnout-Risiken liegen in den individuellen Bewältigungsstrategien der einzelnen Personen.
Die Art und Weise, wie man mit Belastungen und mit sich selber umgeht, hat erheblichen
Einfluss darauf, ob man an einem Burn-out erkrankt oder nicht. Untersuchungen weisen
darauf hin, dass folgende Persönlichkeitsstile mit einem erhöhten Risiko „auszubrennen“
verbunden sind:
- Perfektionistische Einstellungen
- Geringe Kompetenzerwartung
- Ein sehr ausgeprägtes Harmoniebedürfnis
- Eine externale Kontrollüberzeugung
Der Burn- out eine von der Gesellschaft erzeugte Erkrankung?
In unserer heutigen Gesellschaft hat sich der Burn-Out als Volkskrankheit etabliert. Doch ist
er das überhaupt- eine Volkskrankheit?
Kritiker sehen diese Definition als äußerst kritisch und benennen den Burn-Out eher als eine
Systemkrankheit.
Für unsere Gesellschaft jedoch bleibt es eine Volkskrankheit, da dies nach etwas bequem
Therapierbarem eines fast alltäglichen Leidens klingt. Vor allem wird sie so dargestellt, als
dass man sie leicht vermeiden ließe. Um diese Vorstellung herum ist in den vergangenen
Jahrzehnten eine ganze Industrie entstanden, bestehend aus Wellnesstempeln,
Fitnessstudios und Yoga-Kursen u.ä. als Burn-out-Prophylaxe.
Doch wie konnte es erst soweit kommen?
Heutzutage leben wir in einer sogenannten Yes-we-can-Gesellschaft, die dieses
Krankheitsbild präventiv beeinflusst. Ja, wir können auch um Mitternacht E-Mails
beantworten. Ja, wir können auch auf dem Spielplatz noch Börsenkurse checken. Ja, wir
können auch im Urlaub ans Telefon gehen. Könnte ja etwas Dringendes sein. Ja wir können
immer und überall erreichbar sein, man könnte ja etwas verpassen. Man hat 24 Stunden zu
funktionieren.
Nun gehört zur Logik des herrschenden Systems, selbst aus seinem Defizit einen neuen,
Markt zu erschaffen für professionalisierte Regeneration: Entspann dich! Jedoch das als
Muss dargestellte Entspannen führt letzten Endes wiederum zu Stress.
Die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen wir leben müssen, tragen hauptsächlich zu
den Ursachen für die Entwicklung eines Burn-outs bei. Bedingt durch den Dauerstress, dem
viele Menschen ausgesetzt sind, sei es durch hohe Anforderungen im Beruf und teilweise im
Privatleben, oder durch zeitliche Einbindungen in den Familienalltag oder durch
Veränderung von gesellschaftlich anerkannten Prioritäten.
Wir leben in einer Gesellschaft,
der eine Dauererreichbarkeit abverlangt wird, durch diese es häufig zum Zerfall von
familiären und freundschaftlichen Bindungen kommen kann. Eine Gesellschaft, in der nur
Resultate zählen und wenig Wert auf Persönlichkeit, zwischenmenschliche Beziehungen und
Individualität gelegt wird. Unser ganzes Leben wird immer unpersönlicher und anonymer.
Diese Angst des Nicht-funktionierens ist oft gepaart mit einer inneren Leere und der
Unfähigkeit, neue positive Beziehungen zu beiden Geschlechtern aufzubauen. Ohne eine
zwischenmenschliche Bindung kommt die Arbeit oft als Ersatzliebe ins Spiel. Kommt es nun
auch auf der Arbeit zu Problemen findet man häufig kein Kompensationsfeld, auf das man
ausweichen und sich mental und psychisch erholen kann. Ergebnis ist eine sich aufstauende
Frustration und eine mentale Abgeschlagenheit, welche nun kaum mehr abgebaut werden
kann. Viele flüchten sich daher in Abhängigkeiten durch Alkohol, Drogen,etc., da viele das
Gefühl haben ein sinnentleertes Leben zu führen, ein Burn-out Leben. Oftmals wird dies von
Arbeitgebern nicht registriert und vermitteln darüber hinaus weiterhin die Botschaft: Halte
deinen Stress aus, denn es gibt andere, die viel mehr Stress haben.
Burnout vorbeugen
Man kann ein Burnout in zweierlei Lebensformen vorbeugen, zum einen im privaten Raum,
als auch am Arbeitsplatz. Im Privatleben sollte man vor allem folgenden Punkte beachten:
✓ Eigene Bedürfnisse wahrnehmen
✓ Grundbedürfnisse aufdecken
✓ Stressmanagement und Entspannung
✓ Selbstaufmerksamkeit
✓ Stresstagebuch
✓ Soziale Kontakte
✓ Innere Antreiber entmachten
✓ Klare Lebensziele definieren
✓ Stärkung der Selbstakzeptanz
✓ Gesunde Lebensweise
✓ Hilfe suchen
Ein Burnout am Arbeitsplatz ist nicht nur belastend für Betroffene, sondern auch
problematisch für den Arbeitgeber. Das Wohl der Mitarbeiter sollte für das Unternehmen an
oberster Stelle stehen. Folgende Punkte können Anhaltspunkte dafür sein das Burnout-risiko
aufgrund von Arbeitsstress vorzubeugen:
✓ Autonomie anstreben
✓ Zeitmanagement
✓ Nein-Sagen
✓ Unrealistische Erwartungen abbauen
✓ Leben und Arbeiten im Gleichgewicht
✓ Karriereplanung
✓ Beteiligung an Entscheidungen
✓ Supervision
Zusammenfassend ist jedoch zu vermerken, dass es nicht den einen Weg gibt, um aus
diesem Dilemma herauszukommen. Jeder Mensch, der sich als Risikopatient für einen Burnout sieht, muss selbst für sich einen Weg finden das Stresspensum zu senken und genügend
Ausgleich zu schaffen, um nicht vollständig in eine schwere Depression abzurutschen.
Literaturverzeichnis
https://www.burnout-info.ch/burnout_ursachen_rollenerwartungen_2.htm
https://online.medunigraz.at/mug_online/wbAbs.getDocument?pThesisNr=24144&pAutorN
r=&pOrgNr=1
https://www.personalmanagement.info/hr-know-how/fachartikel/detail/das-burnoutsyndrom-die-krankheit-der-leistungsgesellschaft/
https://www.zeit.de/kultur/2011-10/burnout-zwischenruf/seite-2
https://www.lifeline.de/krankheiten/burnout/#ursachen
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62820/Die-Burnout-Gesellschaft
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatikpsychotherapie/erkrankungen/burnout-syndrom/geschichte-und-abgrenzung/
https://www.gesundheitsinformation.de/was-ist-ein-burnoutsyndrom.2125.de.html?part=symptome-5i
https://burnoutratgeber.wordpress.com/2011/08/11/gesellschaftliche-ursachen-desburnout/
https://www.netdoktor.de/krankheiten/depression/
https://www.praxisvita.de/burnout-oder-cfs-13138.html