Macht Stress krank?
Einleitung
Was passiert bei Stress im Körper?
Stress ist eine Alarmreaktion des Körpers auf eine vermutete oder tatsächliche Gefahr. Ziel dieser Reaktion ist es, den Körper in die Lage zu versetzen auf die gegebene Situation angemessen zu reagieren. Bei der Stressreaktion werden vom Körper die Stresshormone Adrenalin/ Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Adrenalin und Noradrenalin sorgen unter anderem für eine Steigerung der Schlagkraft und -Frequenz des Herzens, eine Steigerung der Atemfrequenz, Bronchodilatation, Vasodilatation an der Skelettmuskulatur, Vasokonstriktion an Ruheorganen, die für die Stressreaktion nicht benötigt werden, wie Haut und Darm und eine Mobilisierung der Glucose durch Glykogenabbau, um mehr Energie zu generieren. Cortisol hingegen hält die Stressreaktion aufrecht, aktiviert den Glykogenabbau in den Muskeln durch Umwandlung von Aminosäuren in Glucose, verringert die Wirkung von Insulin, sodass der Zucker im Blut verbleibt und den Gehirnzellen bereitgestellt werden kann, und unterdrückt das Immunsystem.
Wann und wie macht Stress krank?
Kurzfristiger Stress, auch „Eustress“ genannt, auf den im Anschluss eine Erholungsphase folgt, schadet dem Körper nicht. Dieser Stress kann sogar eine leistungssteigernde und motivierende Wirkung auf das Individuum haben. Dem entgegen steht der gesundheitsgefährdender „Distress“. Ist man dauerhaft und langanhalten Stressoren ausgesetzt wird die Stressreaktion aufrecht gehalten, was vor allem vier wesentlich gesundheitsschädliche Wirkungen haben kann:
Werden vom Körper Stressoren wahrgenommen beginnt die Stressreaktion mit der sogenannten Alarmreaktions- oder Schockphase. Dabei wird sehr viel Energie mobilisiert, um den Körper auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. Kampf und Flucht sind jedoch nur in den seltensten Fällen eine angemessene Antwort auf die Belastungen unseres modernen Lebens. Die entstandene Energie wird nicht verbraucht und die sich in der Blutbahn befindenden Fette, Zucker und verklumpten Blutplättchen können sich in den Blutgefäßen ablagern, diese verstopfen und so zum Beispiel Arteriosklerose oder Infarkte hervorrufen.
Die Stressreaktion ist evolutionär für die Auseinandersetzung mit kurzzeitigen Gefahren ausgelegt. Heutzutage sind wir jedoch oft Belastungen ausgesetzt, die häufig längerfristige oder immer wieder auftreten. Diese Belastungen ermöglichen dem Körper häufig kaum oder keine Erholungsphase, wodurch der Organismus in einer erhöhten Wiederstandsbereitschaft gehalten wird. Diese sogenannte Widerstandsphase passt sich der Körper an die chronische Stressbelastung an, indem es zu einer Sollwertverschiebung der Stresshormone im Regelkreis kommt und der Organismus ein neues Gleichgewicht auf erhöhtem Niveau bewahren möchte. Wird diese Widerstandsphase jedoch zu lange beibehalten verliert der Organismus allmählich seine natürliche Fähigkeit zur Selbstregulation, wodurch er auch in Phasen ohne Belastung nicht mehr auf sein Ruheniveau zurückkehren kann. Ist das Anpassungsvermögen des Körpers erschöpft tritt die Erschöpfungsphase ein, in der es zu vielfältigen funktionellen Symptomen bis hin zu Organerkrankungen kommen kann. So kann beispielsweise die Verringerung der Insulinwirkung zu vermehrter Produktion von Insulin durch die Inselzellen führen, die jedoch ebenfalls irgendwann erschöpft ist und es zu einem Insulinmangel und damit einem erhöhten Diabetesrisiko kommen kann und es kann durch die Unterdrückung von Nervenwachstumsfaktoren durch Cortisol zu einer Verkleinerung des Hippocampus kommen und damit zu Gedächtnisstörungen.
Zu Beginn einer Stressreaktion wird die Funktion des Immunsystems kurz durch die Aktivierung der Sympatikus-Nebennierenmark-Achse durch das Noradrenalin gesteigert und so zum Beispiel die Anzahl der Killerzellen im Blut erhöht, um möglicherweise eindringende Fremdkörpern direkt entgegen treten zu können. Dauert die Belastung an, kommt es durch die Aktivierung von der Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinden-Achse zur vermehrten Ausschüttung von Cortisol. Dieses wirkt gegenregulatorisch und verursacht eine Immunsuppression, um eine überschießende Immunreaktion zu verhindern. Langfristig sogt diese Unterdrückung des Immunsystems für eine höhere Kankheitsanfälligkeit. Bei manchen Menschen führt Stress allerdings auch zu Unterdrückung der Cortisolausschüttung, wie neue Forschungsergebnisse zeigen. Die Immunaktivität kann also überschießen und somit ebenfalls zu krankhaften Veränderungen wie Entzündungen, allergischen Reaktionen oder Autoimmunerkrankungen führen.
Des Weiteren kann es vorkommen, dass Menschen, die andauernd Stressbelastungen ausgesetzt sind, beim Versuch Bewältigungsstrategien zu finden, gesundheitsschädliche Verhaltensweisen entwickeln. Dazu können beispielsweise das Rauchen, Alkoholkonsum und ungesundes Essverhalten zählen, die ihrerseits ebenfalls das Erkrankungsrisiko erhöhen. Außerdem tragen diese Verhaltensweisen dazu bei die Widerstandskraft des Organismus zu verringern und so die Erschöpfungsphase schneller hervorzurufen.
Die vielfältigen Auswirkungen der Stressreaktion haben ebenso viele mögliche gesundheitsschädliche Folgen, die zu diversen Krankheiten führen können. Die Stressreaktion ist bei jedem Individuum spezifisch weshalb sich Stress bei jedem Menschen unterschiedlich auf die Gesundheit auswirken kann. Zudem sind die Auswirkungen beispielsweise noch von dem Zustand des jeweiligen Organsystems, Vorerkrankungen, genetischen Veranlagungen sowie dem individuelle Verhalten der Person abhängig.
Literaturverzeichnis:
· Kaluza, G. (2011). Stressbewältigung: Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung (2. Aufl. 2011 Aufl.). Springer.
· Davison, G. C., Neale, J. M. & Hautzinger, M. (2007). Klinische Psychologie. Beltz Verlag.
· Campbell Biologie 11. Auflage. (2022). Pearson Studium.
· Schandry, R. (2011). Biologische Psychologie. Beltz Verlag.
Abbildungsverzeichnis:
· Abb. 1: https://de.freepik.com/vektoren-kostenlos/illustration-des-studentischen-stresskonzepts_24488375.htm#query=stress&position=3&from_view=keyword [zuletzt aufgerufen am 17.11.2022]

