Freitag, 8. Januar 2021

Belastungen im Lehrerberuf – über gesunde und ungesunde Verhaltens- und Erlebensmuster

 „16 % der Lehrer [kommen] zu der Einschätzung, dass ihre Kraft und Gesundheit nicht ausreichen wird, um den Beruf bis zum gesetzlichen Pensionsalter ausüben zu können. Weitere 44 Prozent sind sich nicht sicher, ob sie so lange arbeiten können. Nur 41 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Gesundheitszustand ausreichen wird.“ (DAK 2011)

pressemitteilung-fruehpensionierung-von-lehrern-2127772.pdf

 

Solche alarmierenden Zahlen sind uns in unserer Recherche immer wieder begegnet. Sie machen die Bedeutsamkeit des Themas Lehrergesundheit besonders deutlich. Da wir und viele von euch selbst in Zukunft in einem Lehrerberuf tätig sein wollen, ist uns dieses Thema ein besonderes Anliegen. Deshalb möchten wir euch mit unserem Blogbeitrag einen kurzen Einblick in die Belastungen im Lehrerberuf und der Potsdamer Lehrerstudie (welche Beanspruchungsmuster im Lehrerberuf untersucht) geben. 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Belastungen im Lehrerberuf


Lehrergesundheit umfasst das physische und psychische Wohlbefinden der LehrerInnen. Neben alltäglichen und persönlichen Faktoren (wie z.B. Haushalt, Partnerschaft, Erziehung der eigenen Kinder) bedingen spezielle Faktoren des Berufsfeldes Schule die Gesundheit dieser Berufsgruppe. Diese berufsspezifischen Faktoren (siehe Schaubild) sind durch ihre Vielfältigkeit und Emotionalität besonders belastend.  

Können diese Belastungsfaktoren nicht ausgeglichen oder bewältigt werden, entstehen psychische und/oder physische Belastungen. Es ist wichtig, diese rechtzeitig wahrzunehmen, damit die Lebensqualität nicht beeinträchtigt wird und keine körperlichen (vgl. Kliebisch und Meloefski 2009, S. V–VI) (z.B. Defizite des Herzkreislaufsystems, Bewegungsapparats) oder unspezifischen Beschwerden (z.B. Erschöpfung, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Kopfschmerzen,…) entstehen. Folgen einer zu hohen Belastung können beispielsweise ein Verlust der Work-Live-Balance, Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden, Burn-out oder depressive Tendenzen sein (vgl. Holzrichter 2016, S. 11–14).

  

Potsdamer Lehrerstudie

Untersucht wurden in der 2005 veröffentlichten Potsdamer Lehrerstudie Belastungssituationen von ca. 28 000 Personen. Davon waren etwa 8 000 Probanden Vertreter anderer Berufsgruppen (zu Vergleichszecken), während 20 000 Personen deutsche LehrerInnen, Lehramtsstudierende, ReferendarInnen und ausländische LehrerInnen waren (vgl. Schaarschmidt 2009, S. 1–3). Mit Hilfe einer Fragebogenerhebung wurden die Probanden im ersten Teil der Studie nach Einschätzungen zu Arbeits- und Belastungsindikatoren befragt. Im Zentrum des zweiten Teils der Studie (der hier nicht näher erwähnt wird) stand die Erprobung von Maßnahmen zur Belastungsreduktion (vgl. Schaarschmidt 2009, S. 1–3). Ziel der ersten Etappe war es individuelle Bewältigungs- und Verarbeitungsstile, sowie personelle Ressourcen zu identifizieren. Diese Verfahren von Uwe Schaarschmidt und Andreas W. Fischer werden als AVEM (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebnismuster) bezeichnet. Hierzu sollten die Teilnehmer Fragen beantworten, die den drei Dimensionen Widerstandskraft, Emotion und Arbeitsengagement thematisch untergeordnet waren (vgl. Frick 2015, 44 f.). Diese Dimensionen boten die Grundlage für die daraus erstellten vier Verhaltens- und Erlebensmuster, die beschreiben wie Personen auf Arbeitsbelastungen reagieren und diese wahrnehmen (vgl. Bangert 2019, S.15). Somit stellte der AVEM-Fragebogen keinen Persönlichkeitstest dar (vgl. Frick 2015, S. 46). Mit Hilfe dieser Muster (siehe Abbildung) können gesundheitliche Risiken frühzeitig erkannt und Maßnahmen ergriffen werden (vgl. Bangert 2019, S. 15).



Die Erkenntnisse dieser Studie besagen, dass 17% der LehrerInnen das gewünschte G-Muster aufweisen und die Muster A und B mit je 30% auftreten (vgl. Schaarschmidt 2009, S. 1–3). So tendieren ca. 30% der LehrerInnen dazu an Depressionen oder Burn-out (Muster B) zu erkranken (vgl. Bangert 2019, S. 17). Da LehrerInnen, die dem Risikomuster A entsprechen, dazu neigen bei anhaltender Selbstüberforderung und keiner ausreichenden Erholung in das Risikomuster B abzurutschen, sind insgesamt 60% aller LehrerInnen stark gefährdet (vgl. Bangert 2019, S. 21). Bei ReferendarInnen und Studierenden beträgt das B-Musters 25%, zudem ist das S-Muster sehr stark mit ca. 30% vertreten. Allgemein werden als belastendste Faktoren zu große Klassen, zu hohe Stundenzahlen und problematisches Schülerverhalten genannt, während das Kollegium und die Schulleitung entlastend wirken kann. Zwischen den verschiedenen Schulformen zeigen sich keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Belastungen. Jedoch nehmen diese mit dem Alter der Lehrkraft zu. Auch Lehrerinnen sind im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen einem erhöhten Risiko ausgesetzt in die Muster A und B zu verfallen (vgl. Schaarschmidt 2009, S. 1–3).



Resultierend lässt sich sagen, dass der Lehrerberuf ein sehr anstrengender Beruf ist, mit sehr hohen Ansprüchen und Gefährdungen der psychischen Belastung (vgl. Frick 2005, S. 48-49). Dies liegt unter anderem daran, dass der Lehrerberuf ein sozialer Beruf ist. Durch die hohe Verantwortung, Autonomie, das Engagement, der schwierigen Abtrennung des Privatlebens und durch emotional fordernde Kontakte läuft diese Berufsgruppe Gefahr das Gegenüber zu sehr in den Fokus der eigenen Gedanken und Handlungen zu rücken, während man sich selbst außer Acht lässt (vgl. Holzricher 2016, S. 11-14). Zudem ist die alltägliche Arbeit von einer sozialen, kommunikativen Interaktion abhängig (vgl. Kliebisch und Meloefski 2009, S. V-VI), die durch viele Faktoren (z.B. Inklusion, gegensätzliche Erwartungen, Konflikte, …) gestört werden kann (vgl. Holzricher 2016, S. 11-14). Es gilt: Nicht zuletzt bedingt die Arbeitsqualität die Lebensqualität (vgl. Kliebisch und Meloefski 2009, S. V-VI).


Fazit

Wir hoffen, dass wir euch ein paar interessante Einblicke in die Belastungen des Lehrerberufs sowie der Potsdamer Lehrerstudie ermöglichen konnten.  

Für unser zukünftiges Berufsleben haben wir mitgenommen, dass es besonders wichtig ist, sich den Belastungsgefährdungen bewusst zu sein. Durch die Reflexion des eigenen Gesundheitsverhaltens und der Selbstfürsorge, ist es uns möglich diese Belastungen zu bewältigen und die schönen Seiten des Lehrerberufes umso mehr zu genießen.

Im Anschluss möchten wir uns mit euch austauschen, wie wir bestmöglich unsere Gesundheit erhalten können. Teilt uns daher sehr gerne mit, ob ihr bereits belastende Situationen erlebt habt, wie ihr mit ihnen umgegangen seid und welche Strategien ihr für ein gesundes Lehrerleben anwenden wollt.

 



Ein Blogbeitrag von Luisa Deeg und Karen Linder.

Der Beitrag als PDF: https://www.dropbox.com/sh/58yv8pz8kla84kv/AAAmGhG9onA8aeaTq-0cnec2a?dl=0 



Literaturverzeichnis:

Bangert, Carsten (2019): Vertreib die Affen mit den Kieselsteinen. Impulse für Gesundheit und Zufriedenheit von Lehrerinnen und Lehrern. Weinheim, Basel: Beltz.

DAK (2011): Schulstress: Jeder 5. Lehrer denkt an Frühpensionierung. DAK-Studie: Zeitdruck und fehlende Erholung belasten Gesundheit. Abgerufen am 02.01.2021. Online verfügbar unter pressemitteilung-fruehpensionierung-von-lehrern-2127772.pdf.

Frick, Jürg (2015): Gesund bleiben im Lehrberuf. Ein ressourcenorientiertes Handbuch. Bern: Verlag Hans Huber.

Holzrichter, Thurid (2016): Selbstfürsorge als Basis der Lehrergesundheit. Strategien, Tipps und Praxishilfen. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.

Kliebisch, Udo W.; Meloefski, Roland (Hg.) (2009): LehrerGesundheit. Anregungen für die Praxis. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Schaarschmidt, Uwe (2005): Heute Lehrer - morgen Patient? Die problematische Gesundheitssituation im Lehrerberuf und was dagegen zu tun ist. In: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hg.): Lehrergesundheit. Praxisrelevante Modelle zur nachhaltigen Gesundheitsförderung von Lehrern auf dem Prüfstand ; Workshop vom 6. Oktober 2004 in Berlin. Unter Mitarbeit von Uwe Rose und Antina Bräunlich. Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW Verl. für Neue Wiss.

Schaarschmidt, Uwe (2009): Die Potsdamer Lehrerstudie im Überblick. In: Udo W. Kliebisch und Roland Meloefski (Hg.): LehrerGesundheit. Anregungen für die Praxis. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

 

 

10 Kommentare:

  1. Liebe Luisa, liebe Karen,

    euren Blogbeitrag habe ich sehr spannend und informativ gefunden. Besonders hat es mir gefallen, dass ihr viele Fakten genannt habt, die ihr sehr anschaulich und gut nachvollziehbar mit euren Grafiken illustriert habt. Ich muss euch beipflichten, dass eure Zahlen, die ihr genannt habt, überaus schockierend sind. Meines Erachtens ist es gerade deswegen notwendig als angehende Lehrer*in sich der Risikofaktoren bewusst zu sein und präventiv Maßnahmen ergreifen zu können. Euren Ansatz im Fazit finde ich eine gute Möglichkeit, denn gerade durch Balanceaspekte, wie beispielsweise Sport zu treiben, kann man abschalten und dabei vielleicht auch über sein Handeln reflektieren. Meine präventive Maßnahme hier wäre später, wenn ich merke, dass irgendwelche Situationen mich im Lehreralltag so herausfordern, dass ich Schwierigkeiten hätte, Lösungsansätze zu formulieren, mich mit einer Kollegin oder einem Kollegen über diese Situation zu beraten. Vielleicht könnten wir dann zu zweit Möglichkeiten finden, wie ich diese herausfordernde Situation bewältigen kann. Bewusst war mir nicht, dass der Lehreralltag im Vergleich zu den anderen aufgeführten Berufen, so viel stärker davon betroffen ist, Arbeitnehmer aufzuweisen, die sich in Risikomuster B befinden.

    Viele Grüße

    Clara

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    1. Liebe Clara,

      Vielen Dank für deine positive Rückmeldung zu unserem Blogbeitrag. Es freut uns sehr, dass dich das Thema interessiert und du dir Gedanken zur Prävention einer Überlastung oder einem ungesunden Verhaltens- und Erlebensmuster im Lehrerberuf gemacht hast. Eine ausgleichende Freizeitaktivität zu treiben und sich mit anderen auszutauschen, halte ich persönlich auch für die wichtigsten Ansatzstellen. KollegInnen oder auch SchulleiterInnen kennen die Schule und meistens auch die SchülerInnen und sind deshalb oft dazu in der Lage, die spezifische Situation gut einschätzen zu können. Bei beispielsweise Problemen im Kollegium oder auch bei sich wiederholende Schwierigkeiten allgemein, kann auch eine Beratung durch einen Außenstehenden (z.B. Psychologen) in Anspruch genommen werden. Ich habe mir für meine spätere Berufsausübung vorgenommen, mich für meine SchülerInnen zu engagieren und guten Unterricht zu gestalten UND dabei ganz aktiv und bewusst auf meine Gesundheit und mein Wohlbefinden zu achten. Ich bin guter Dinge, das wir das schaffen können.

      Liebe Grüße,
      Karen

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  2. Liebe Luisa, liebe Karen,

    vielen Dank für diesen großartigen, überaus wichtigen und informativen Blogbeitrag. Das Thema ist mir bekannt, doch die Zahlen nochmal so vor Augen zu haben ist schon sehr erschreckend. Als ich meiner Mutter erzählt habe, dass ich Lehrerinn werden möchte beziehungsweise Lehramt studieren möchte, hat sie gleich gesagt: „Pass aber auf dich auf, in dem Beruf bekommt man schnell ein Burn-out“. Doch oft bekomme ich von meinen Mitmenschen das Gefühl, dass meine Mutter die einzige mit dieser Meinung und berechtigten Sorge ist. Wenn ich von meinem Studium oder von meinem Berufswunsch erzähle, kommen oft Kommentare wie:

    „Oh toll, im Sommer immer sechs Wochen frei, das können auch nur Lehrer und Lehrerinnen“.
    „Ach Unterrichtvorbereitet, dass erste Jahr bereitest du was vor und die nächsten Jahre verwendest du immer das gleiche Material“.
    „Pah Burn-out woher sollte man als Lehrer und Lehrerin, ein Burn-out bekommen“.

    Doch die Zahlen sprechen für sich und wir als angehende Lehrer und Lehrerinnen müssen auf uns Acht geben. Denn unsere Gesundheit ist wichtig und wirkt sich zudem auch auf unseren Unterricht und somit auf die Bildung der Schüler und Schülerinnen aus. Ebenso wie ihr und Clara bin ich der Meinung, dass wir uns dieses Risiko als angehende Lehrer und Lehrerinnen bewusst machen sollten, um präventiv Maßnahmen zu ergreifen. Gerade weil man als Lehrkraft nichts an der Klassengröße, an fehlendem Unterrichtsmaterial oder am Zeitdruck ändern kann. Ich bin auch der Ansicht, dass wenn man sich in einer sehr herausfordernden Situation befindet, diese reflektieren sollte und Lösungsansätze formulieren sollte. Clara hat für mich einen sehr wichtigen Punkt angesprochen. Man kann mit den Kollegen und Kolleginnen sich zusammensetzen und nach Lösungsansätzen suchen. Problemen oder Herausforderungen muss man sich nicht allein stellen oder diese allein lösen. Es gibt bestimmt einen Kollegen oder eine Kollegin, die bereits so oder eine ähnliche Situation erlebt hat und einem bei seiner eigenen Situation, Tipps geben oder helfen kann. Dies ist eine Maßnahme, die man am Arbeitsplatz treffen kann, zu Hause sollte man darauf Achten, dass man einen Ausgleich zum Berufsleben hat. Dies kann Sport sein (wie ihr bereits gesagt habt) es kann aber auch das Spielen eines Instrumentes, kochen, lesen oder irgendein anderes Hobby sein. Denn ich bin der Meinung das beste für die psychischen Gesundheit ist, wenn man auch mal von seinem Beruf abschalten kann und diesen nicht mit nach Hause nimmt. Gerade das, können glaube ich alle die sich gerade in der aktuellen Corona-Pandemie im Home-Office befinden, bestätigen.

    Liebe Grüße
    Fanny Greiff

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    1. Liebe Fanny,
      Vielen Dank für deinen netten Kommentar!

      Deine Erfahrungen mit den Einstellungen und Vorurteilen deiner Mitmenschen gegenüber dem Lehrerberuf kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir persönlich geht es oft genau wie dir. Grob skizziert begegnen mir immer wieder Personen, die meinen, als Lehrer hat man viel Freizeit, ein hohes Einkommen und vor allem immer Recht. Aber ich habe auch schon sehr positive und wertschätzende Reaktionen auf meinen Traumberuf erhalten: Das Lehrer einen abwechslungsreichen Job haben, mit Kindern arbeiten dürfen und einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Diese fast gegensätzlichen Einstellungen haben mich schon oft zum Nachdenken über das Ansehen der LehrerInnen in Deutschland gebracht.

      In unserer Recherche für den Blogbeitrag habe ich nun gelesen, dass sich die hohe Wertschätzung/Anerkennung der schwierigen Aufgabe der LehrerInnen in Bezug auf das insgesamt eher geringe Ansehen der LehrerInnen vor allem durch die Trennung der Begriffe Lehrerperson, Lehrerberuf und Lehrerhandeln erklären lässt. Wenn es um LehrerInnen als Person geht, dann herrscht ein sehr negatives, vorurteilsbelastetes Bild vor (dieses wird auch in den Medien so vermittelt). "Geht es um grundsätzlich um die Berufstätigkeit unabhängig von den Personen, so wird das Handeln durchaus ... als anspruchsvoll, schwer und beanspruchend wahrgenommen." (Rothland, 2007, S.28)

      Liebe Grüße,
      Karen

      Quelle: M. Rothland & E. Terhart (2007): "Beruf: Lehrer - Arbeitsplatz: Schule", S.27-28 In M. Rothland (Hrsg.) "Belastung und Beanspruchung im Lehrerberuf - Modelle, Befunde, Interventionen", Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften




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  3. Emma Krehl18.01.21, 18:54

    Liebe Luisa, liebe Karen,

    zuerst muss auch ich euren Beitrag loben. Ich finde ihr habt es gut gemeistert die Fakten und Zahlen übersichtlich darzustellen und gleichzeitig dazu angeregt sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen. Die Vorschläge von Clara und Fanny finde ich sehr gut. Die Kolleg*innen können bestimmt eine große Hilfe darstellen und es hilft sicherlich, wenn man sich Strategien erarbeitet mit den Belastungen des Berufsalltags umzugehen. Dennoch sehe ich hier auch andere Stelle als nur das Individuum in der Pflicht. Es sollte meiner Meinung nach auch Unterstützungsangebote und präventive Maßnahmen angeboten werden, beispielsweise durch Supervisionsangebote, Fortbildungen und die Möglichkeit einen größeren Anteil der Vorbereitungsarbeit in der Schule zu bestreiten. Möglicherweise können hier mit der Schulleitung vor Ort Lösungen gefunden werden und über andere Wege (nur eine Idee: vielleicht können Lehrkräfte ihre Anliegen diesbezüglich über die Landespersonalräte einbringen) für eine Verbesserung der Arbeitsbedinungen hinwirken.

    Liebe Grüße
    Emma Krehl

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  4. Liebes Blogger-Team,

    vielen Dank für euren informativen Blogbeitrag. Mir war zwar bewusst, dass Lehrer/-innen eine anstrengende und herausfordernde Aufgabe meistern müssen aber nicht bewusst war mir, dass es so schlimm ist. Die Zahlen sind hier deutlich. Spätestens jetzt sollten sich andere Berufsgruppen Gedanken über ihre Abneigung gegenüber Lehrer/-innen machen bzw. Vorurteile sein lassen.
    Lehrer/-innen sollten sich meiner Meinung nach generell öfters austauschen oder sich im Kollegium einen Vertrauten suchen und zur Hilfe holen, wie bereits Clara angesprochen hat. Ebenso könnte ich mir so etwas wie eine regelmäßig stattfindende Konferenz vorstellen, in der man ausschließlich über die von euch angesprochenen Probleme reden kann. Oder für Lehrkräfte, die nicht so offen mit Problemen umgehen können oder wollen, einen Schulpsychologen für die Lehrkräfte anstellen, den man in schwierigen Situationen kontaktieren kann. Was meint ihr?

    Liebe Grüße
    Silvana

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  5. Hallo zusammen,

    vielen Dank für eure tollen Kommentare und Ideen, ich bin schon sehr gespannt, was weiterhin noch alles kommen wird 😊.

    Ihr drei habt einen großen, bedeutenden Punkt angesprochen. Wir denken auch, dass das Kollegium einen entscheiden Beitrag zur Entlastung eines/r jeden Lehrers*in leisten kann. Mir persönlich ging es in meinem FSJ sehr ähnlich, wenn ich nicht genau wusste, wie ich auf Unerwartetes reagieren sollte oder irgendwelche Schwierigkeiten hatte, konnte ich jederzeit mit meinen Kollegen*innen sprechen und so Sicherheit und neue Kraft schöpfen oder manchmal auch nur etwas Dampf ablassen.

    Gerade im Bezug zu deiner Idee Silvana mit dem Schulpsychologen für Lehrer*innen, denke ich, dass durchaus auch Potential in deiner Idee steckt und es sehr hilfreich sein kann mit einem Experten anderen Gebietes in einen Austausch zu treten. Allerdings würde ich mir in diesem Zusammenhang vielmehr wünschen, dass die Situationen in einem funktionierenden Kollegium gemeinsam bewältigt werden könnte. Dabei ist aber auch zu beachten, dass nicht alle Belastungen allein im Kollegium erarbeitet werden können, daher würde ich dir generell zustimmen. Zudem kann diese Option / Methode für den ein oder anderen aus individueller Perspektive besser geeignet sein.

    Der Diplompädagoge Nikolaus Kirstein hat den Praxis-Ratgeber Schule „99 Tipps. Lehrergesundheit erhalten“ verfasst. In diesem Werk bietet er, wie der Titel es vermuten lässt, 99 Tipps an, wie man seine Gesundheit als Lehrer*in möglichst erhalten kann. Der von euch verfasste Aspekts des Kollegiums, ist in seinen Tipps 66 „Profi-Talk mit Kollegen“ und 67 „Unterstützung genießen“ vertreten. Hierin beschreibt er, dass man sich nicht scheuen soll um Hilfe zu bitten und diese, wenn man die nötige Zeit und Kompetenz hat, auch anderen zu gewähren. Ein jeder von uns kann später einmal dazu beitragen ein kooperatives Umfeld zu schaffen, in dem Unterlagen ausgetauscht oder Lehrmittelsammlungen aufgebaut werden könnten. Zudem sind alle Lehrer*innen Unterrichtsprofis. Und ein Erfahrungsaustausch mit einem Profi ist denke ich für jeden hilfreich und bereichernd: neue Ideen und Anregungen können gegeben, sowie bewährte oder missglückte Methoden, Gestaltungen und Konzepte besprochen werden (vgl. Kirstein 2011, S. 96-98).

    Daher stimmen ich euch absolut zu und kann nur jedem wärmstens ans Herz legen, euch für eine gute Atmosphäre unter den Kollegen*innen stark zu machen und auch den Mut zu fassen um Hilfe zu bitten, denn daraus können sich manchmal ungeahnte Chancen entwickeln.

    Liebe Grüße, Luisa


    Quelle: Kirstein, Nikolaus (2011): 99 Tipps Lehrergesundheit erhalten, Berlin, Cornelsen

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  6. Jana Guttroff22.01.21, 09:05

    Liebe Luisa und Karen,

    vielen Dank für euren interessanten Blog-Beitrag. Ihr habt ein wirklich sehr spannendes Thema gewählt, das sicherlich viele in ihrem zukünftigen Beruf als Lehrer oder Lehrerin betreffen wird. Bei meiner Entscheidung Lehramt zu studieren, habe ich auch an diese „Nachteile“ des Lehrerberufes gedacht und mir einige Fragen gestellt. Trotzdem haben für mich die Vorteile überwogen und ich hoffe, dass die „Probleme“, die in diesem Berufsfeld auftreten können, bewältigbar sein werden.

    Wie ihr beschrieben habt, sind allerdings sehr viele Lehrer*innen von dem Gefühl der Unbewältigbarkeit bzw. der Unsicherheit über die dauerhafte Bewältigung der physischen und psychischen Belastungen des Lehrerberufes betroffen. Weniger als die Hälfte der Befragten glauben daran, dass sie es bis zur Pension schaffen werden in diesem Beruf zu bleiben. Ich finde diese Zahl wirklich alarmierend, weshalb ich euren Beitrag mit großem Interesse gelesen habe.
    In eurer Abbildung 1 (von Bangert, 2019) kann man alle Faktoren rund um den Beruf gut sehen. Durch diese Auflistung wird einem nochmals sehr deutlich, wie viele Faktoren tatsächlich eine Rolle spielen. Ich denke, dass das vielen Leuten (vor allem auch Eltern und Schüler*innen) überhaupt nicht bewusst ist. Oft hört man aus dem Bekanntenkreis oder sogar von Eltern und Schüler*innen, dass Lehrer*innen es doch schön haben. Aussagen wie „so viel Freizeit hat man in keinem anderen Beruf“ oder „das bisschen Vorbereitung“ sind dabei keine Seltenheit. An den Druck und Stress, den Lehrpersonen ausgesetzt sind, denken die Wenigsten.
    Eure Auswertung der Potsdamer Lehrerstudie war auch sehr interessant zu lesen. Nur 17% der Lehrer*innen fühlen sich gesundheitlich gut in ihrem Beruf, was sich in positiven Emotionen, hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und starkem, aber nicht exzessiven Engagement widerspiegelt. Lehrpersonen denen diese Faktoren Probleme bereiten, sind gefährdet im schlimmsten Fall an Burn-out oder Depressionen zu erkranken. In eurem Diagramm zum Beanspruchungsmuster im Berufsvergleich kann man deutlich sehen, dass Lehrer*innen stark gefährdet sind und der Beruf hohe Belastungen mit sich bringen kann.

    Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, kommen mir auch einige Lehrer*innen in den Sinn, die sehr mit solchen Belastungen zu kämpfen hatten. Häufig haben allerdings manche Schüler*innen der Klasse den Unterricht gestört und die Lehrpersonen bis an ihre Grenzen gebracht. Vielleicht hätte es etwas genützt, wenn man diesen Schüler*innen das Schaubild mit den Faktoren des Lehrer*innenberufes gezeigt hätte, sodass sie verstehen, was Lehrpersonen alles leisten müssen und welchen Belastungen sie ausgesetzt sind und dies nicht unnötig herausfordern und provozieren müssen.
    Trotzdem gibt es in diesem Beruf auch zahlreiche positiven Aspekte, die natürlich nicht vergessen werden dürfen.

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Liebe Jana,

      vielen Dank für deinen Kommentar und wir freuen uns sehr, dass du einige neue und spannende Informationen mitnehmen konntest. Mir hat es besonders gut gefallen, dass du dir bei der Berufswahl über die negativen Aspekte ebenso Gedanken gemacht hast, wie über die positiven. Meiner Meinung nach beschreibt das schon den ersten Schritt, um die Belastungen auch tatsächlich später einmal bewältigen zu können, indem man sich ihnen bewusst wird. Leider bezweifle ich sehr, dass es viel bringen würde, wenn man die Faktorenauflistung SchülerInnen zeigen würde. Da SchülerInnen sich nicht in der Position befinden, diese Faktoren nachempfinden zu können und ihnen meist ein grundlegendes Verständnis und die Wertschätzung dafür fehlt (was in dem Alter auch "normal" ist).

      Mir persönlich ist es noch ein wichtiges Anliegen eine meiner „Erkenntnisse“ über die Lehrergesundheit konkret anzusprechen.

      Während der Literaturrecherche bin ich in dem Ratgeber „Selbstfürsorge als Basis der Lehrergesundheit“ von Thurid Holzrichter auf einen „Tipp“ gestoßen, den ich sehr einprägsam fand:

      Holzrichter sprach hierbei davon, dass jede Person sich in ihrem Alltag in verschiedenen Rollen befindet. So könnten auf mich angewandt verschiedene Rollen die der Studentin, Schwester, Tochter, Freundin, Kollegin, Hobbyköchin, Leseratte (wenn ich dafür genügend Zeit habe), Lehrerin, … sein.

      Oft wird eine bestimmte Rolle oder man in einer bestimmten Rolle angesprochen, die mit gewissen Erwartungen einhergeht, z.B. in einem Lehrer-Elterngespräch. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, dass oft auch Emotionen mit einer bestimmten Rolle verknüpft werden. Nicht selten kann es passieren, dass sich z.B. Argwohn oder Zorn gegen eine Lehrerkraft richtet (wie auch in Janas Beispiel). Oft ist dieser Argwohn dann nicht auf persönlicher Ebene zu beurteilen, sondern auf die Rolle der Lehrkraft als LehrerIn zurückzuführen.

      Für mich entscheiden war jedoch, dass man noch eine weitere Rolle inne hat und zwar die Wichtigste, die des „Ichs“. Diese Rolle darf unter keinen Umständen vernachlässigt werden und benötigt sehr viel Selbstfürsorge. Sie gibt die Antwort auf die Fragen: Wer bin ich? und Wo will ich hin (welche Ziele habe ich)?. Wenn man diese Rolle vernachlässigt und sich über sie nicht bewusst wird, ist das Risiko weit aus höher, dass sich diese Rolle nicht ausgefüllt anfühlt und einem somit als leer erscheint, wodurch man sich nach einiger Zeit auch tatsächlich ausgehöhlt fühlen kann (vgl. Holzrichter 2016, S. 78f.).

      Daher ein kleiner Rat meinerseits: Manchmal muss man auch ein bisschen „selbstsüchtig“ (im Sinne von selbstfürsorglich für das eigene Wohl) sein und nur etwas für sich tun, weil man das möchte, unabhängig von den Erwartungen anderer, sondern einfach, weil es der eigenen Seele gut tut.
      Ein/e gute/r LehrerIn sein zu wollen ist kein schlechter Anspruch, aber kein/e LehrerIn kann gut sein, der/die sich nicht auch gesund fühlt.

      Liebe Grüße, Luisa.


      Quelle:
      Holzrichter, Thurid (2016): Selbstfürsorge als Basis der Lehrergesundheit. Strategien, Tipps und Pra-xishilfen. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.

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  7. Liebe Karen, Liebe Luisa,

    ich habe euren Titel gelesen und sofort den Beitrag durchgelesen. Gerade als Lehramtsstudentin für die Sekundarstufe hat mich euer Text sofort angesprochen und mitgerissen.
    „Du wirst doch nur Lehrerin, weil du dann so viele Ferien hast!“, „ Willst du dann auch was richtiges Arbeiten“ oder „Kinder beaufsichtigen und ihnen 2 + 3 beibringen kann ich auch“ und mehr Vorurteile durfte ich mir anhören als ich erzählte, dass ich Lehrerin werden möchte…. Dabei merkte ich richtig, wie wenig Ahnung diese Menschen von dem Beruf haben und wie sehr mein Berufswunsch herabgewürdigt wurde. Sie wissen kaum, wie viel Arbeit man wirklich hat und was hinter den Kulissen alles abläuft.
    Ich selber habe das alles aber auch erst nach meinem Abitur letztes Jahr durch meinen Sport Lehrer ,mit dem ich mittlerweile gut befreundet bin, so richtig mitbekommen was es noch heißt Lehrer zu sein. Arbeiten erstellen und korrigieren, Unterrichtsvorbereitungen, AG‘s vorbereiten und durchführen, Ausflüge planen, Fortbildungen, sich mit der Rektorin und Eltern rumschlagen, Konferenzen, sich um individuelle Belange der Schüler kümmern und vieles mehr zählte er mir auf. Und das war noch nichtmal alles. Vieles war mir bereits bewusst. Manches aber auch nicht.
    Natürlich gibt es viele positive Seiten des Lehrer Berufes (sonst hätte ich mich nicht dafür entschieden ;) ) und ich bereue meine Wahl keineswegs aber wie jeder Beruf kann auch dieser manchmal zur Belastung werden. Und bei Lehrern wird das finde ich immer ins lächerliche gezogen, da sie ja „so viel Freizeit haben“. Dabei sollte man das offen Ansprechen. Es geht ja schließlich um die eigene Gesundheit oder die von anderen und da darf man nichts ins lächerliche ziehen. Vielleicht hilft es auch etwas, wenn man mal nicht nur darüber redet, was nicht so gut gelaufen ist sondern auch, was alles gut gelaufen ist!
    Viele Menschen sehen nämlich das positive nicht wenn sie nur noch an das negative denken. Möglicherweise gibt das dann auch eine andere Perspektive. Eine etwas glücklichere.
    Am besten wäre auf jedenfall wieder Lehrkräfte über Infoveranstaltungen oder Fortbildungen aufzuklären. Man kann ihnen Ansprechpartner aufzeigen bevor es zu spät ist und man ein Burn-Out hat. (Anonyme) Umfragen könnten auch schon helfen. Ebenso darf man das Thema nicht verharmlosen oder sich darüber lustig machen sondern man sollte es ernst nehmen! Ich selber würde vermutlich mit (befreundeten) Kollegen sprechen, da sie meine Situation vermutlich am ehesten nachvollziehen und mir Tipps geben können.

    Liebe Grüße
    Fabienne Stümpfig

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