Dienstag, 26. Januar 2021

Bewegte Schule - Unterricht und Schule schaffen Bewegungsmöglichkeiten

 Liebe Leser*innen und Leser, 

Hier ein Beitrag zum Thema der bewegten Schule, schaut doch gerne mal rein, wir freuen uns, auf eure Rückmeldung. (:

Liebe Grüße, 

Hannah, Viktoria und Lena 


Die Bedeutung von Bewegung

Um das Überleben zu sichern, steuert der Hirnstamm automatische Bewegungen, die reflexartig geschehen, als Reaktion auf (unangenehme) Reize aus der Umwelt. Es ist nachgewiesen, dass diese ganz natürlich ablaufenden Bewegungsreflexe der Entwicklung der Körpersinne dienen. Außerdem bestehen Zusammenhänge zwischen Bewegung und der Entwicklung der Wahrnehmung.

Diese Bereiche bilden die Grundlage für Konzentration, Ausdauer und Genauigkeit: [1]



Bewegung fördert die Körperwahrnehmung und hat einen Einfluss auf das vestibuläre System, welches für das Gleichgewicht und Körperkontrolle verantwortlich ist. Das Fixieren und Wahrnehmen von räumlichen Zusammenhängen wird im visuellen System durch unterschiedliche Bewegungsformen und räumliche Veränderungen trainiert. Sprachentwicklung, also auditive Verarbeitung steht in enger Verbindung mit der Motorik, die ebenso durch Bewegung gefördert wird.

 

Aktuelle Situation

Da die zuvor genannten Aspekte auch in der Schulzeit einer Entwicklung unterlaufen, ist es notwendig, aktuelle Begebenheiten zu diskutieren: In Zeiten der Digitalisierung, die durch die Covid19 Pandemie fortschreitet, verändert sich die Lebenswelt der Schüler*innen in dem Sinne, dass der Medienkonsum immer mehr ansteigt und die Kinder und Jugendlichen infolgedessen große Anteile der Freizeit sitzend vor digitalen Medien verbringen.

Außerdem prägen institutionell bestimmte Angebote wie Sportvereine oder andere Einrichtungen die Freizeit der Schüler*innen, die weniger selbstbestimmt organisiert wird. [2] Insgesamt: Bewegung kommt im alltäglichen Leben vieler Schüler*innen zu kurz.  Aber wie ist das leistbar, wenn in der Schule außer zwei Hofpausen keine Möglichkeit des Sich-Erlebens in Bewegung besteht?

 

Abb. 1: Schülerbrief
Die Bedeutung von Bewegung an Schulen

Der Brief eines Schülers an seine Lehrerin macht deutlich, dass Grundschulkinder in heutiger Zeit unmöglich sechs Stunden stillsitzen können, ohne Bewegungsdrang und Konzentrationsmangel zu verspüren. Und so geht es nicht nur Grundschulkindern, sondern auch Jugendlichen, Studierenden und Büroangestellten. Bewegung fördert den Sauerstofftransport zum Gehirn und wie Forster 1995 schon erkannte: Nicht nur der Kopf kommt zur Schule, sondern das ganze Kind. [3]



 


Abb. 2: Aktive Pause
Es ist längt klar, dass die Aufgabe der Schule als Bildungsinstitution nicht nur Wissensvermittlung ist. Durch Bewegungspausen nach konzentriertem Lernen in kindgerechten bzw. altersgemäßen Zeitrhythmen werden die Schüler selbst tätig und erleben sich selbst und ihren eigenen Körper. Bewegungspausen sollten als Lebensprinzip etabliert werden, denn durch das Vorleben einer gesunden Lebensführung in der Schule gelangen die Schüler*innen zu dem

 

Hauptziel: Handlungsfähigkeit. Bewegung sollte demnach nicht nur fachspezifisch dem Sportunterricht zugeordnet werden, sondern als integrativer Bestandteil des Unterrichts fungieren.

 

Kinder bewegen sich gerne, sobald sie Gelegenheit dazu haben. Denk nur einmal an die auf den Schulhof stürmenden Kinder in deinen Praktika, oder an deine eigene Schulzeit. Wir Menschen sind auf Bewegung ausgelegt. Probiere es ruhig mal aus, eine längere Zeit völlig bewegungslos dazustehen oder zu sitzen.

Bewegung fördert:

  • sinnliche Wahrnehmung, Körperwahrnehmung
  • Bewegungssicherheit
  • Koordination, Körperhaltung
  • Lernbereitschaft, damit auch verbesserte Lernatmosphäre
  • Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung [4]


Psychomotorische Entwicklungsförderung

Hast du schon einmal die Begriffe Psychomotorik oder psychomotorische Entwicklungsförderung gehört? Was stellst du dir darunter vor?

Im folgenden Abschnitt werden wir versuchen diesem überaus weitreichendem Thema, im dem uns zu Verfügung stehenden Spielraum, gerecht zu werden. Was bedeutet, dass es sich nur um einen Ausschnitt des großen Ganzen handelt und wir uns auf die Verwendung der Psychomotorik als Konzept der Entwicklungsförderung spezialisiert haben, welches in der Schule ideal Einsatz finden kann. [5]

Für eine Vertiefung ist das Buch von Renate Zimmer: „Handbuch der Psychomotorik“ sehr zu empfehlen.


Abb. 3: E.J. Kiphard
Der Begriff Psychomotorik setzt sich aus den Wörtern Motorik und Psyche zusammen und somit das innere Seelenleben durch Bewegung im Gleichgewicht zu halten bzw. zurückzubringen. [6] Als Begründer der deutschen Psychomotorik wird Ernst J. Kiphard (1923 - 2010) genannt. Er setzte an die Stelle des Leistungsprinzips, in seinen eigenen Worten: „...freie bzw. unmerklich gelenkte Spielgeschehen. Statt des üblichen agonalen Gegeneinanders versuchte ich, die Kinder zum fröhlichen Miteinander zu führen.“


Eine exakte Definition für Psychomotorik gibt es nicht, jedoch steht im Allgemeinen, die Förderung der gesamten Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes durch „Bewegung“ im Vordergrund. [7] Kiphard beschreibt die psychomotorische Entwicklungsförderung als ganzheitliches, entwicklungsorientiertes Konzept der Erziehung über Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Leiberfahrungen und fasst diese unter der „Psychomotorischen Übungsbehandlung“ (PÜB) zusammen. [8]

 

Mehr zum Thema der „Psychomotorischen Übungsbehandlung“ findest du unter: 
http://www.mbechstein.de/reader_pm/theorie_themen/02_pm_konzepte.pdf


Die psychomotorische Entwicklungsförderung versteht sich als eine:

  1. ganzheitliche
  2. kindorientierte
  3. handlungsorientierte
  4. offene
  5. entwicklungsorientierte und
  6. kommunikationsorientierte

Form der Bewegungserziehung [9] und umfasst drei wichtige Kompetenzbereiche[10]






Psychomotorik kann sowohl im pädagogischen wie im therapeutischen Rahmen stattfinden, da der Anspruch auf einer ganzheitlichen Förderung beruht, liegt sie an der Schnittstelle von Therapie und Pädagogik. [11]

Doch wie genau kann psychomotorische Entwicklungsförderung in der Grundschule Umsetzung finden?

Kinder sollen bei der Vermittlung der Lerninhalte die Möglichkeit bekommen unter der Berücksichtigung möglichst vieler Sinne lernen zu können. Die unterschiedlichen Sinneserfahrungen beeinflussen das Lernen, bilden die Grundlage für Lesen, Schreiben oder Rechnen. [12]

Textfeld: Abb. 9: Teppichfliesen

Abb. 9: Teppichfließen
Als praktisches Beispiel stellen wir euch die Lese-Lern-Spiel-Aufgabe vor. Auf Teppichfliesen werden mit Kreppstreifen verschiedene Buchstaben geklebt und anschließend verschiedene Wörter gelegt. Außerdem können die Kinder versuchen, aus einer kleinen Auswahl an Buchstaben so viele Wörter zu legen, wie ihnen einfallen. Eine weitere Spielidee ist es, die Buchstaben mit geschlossenen Augen abzutasten und auf diese Art und Weise die Wörter zu „lesen“. Hinzu kommt, dass die Schüler*innen die Buchstaben auch erhüpfen können. Die Übungen können beliebig variiert werden. [13]



Auch Anregungen in Bewegungspausen, wie bereits aufgeführt, schaffen den Kindern die Möglichkeit des individuellen Ausdrucks und der Bearbeitung ihrer Probleme, andererseits aber kann eine aktive Pause ihr Verhaltens- und Bewegungsrepertoire erweitern und Änderungsprozesse bei ihnen auslösen. [14]

Für mehr psychomotorische Anwendungsmöglichkeiten ist die Website https://psychomotorik.de/wp/, das „Handbuch der Psychomotorik“ von Renate Zimmer, aber auch das weiter lesen unseres Blogbeitrags optimal.


Anwendung im Unterricht

Wie aber kann das Wissen über die Bedeutung der Bewegung und die Lehre der Psychomotorik nun im Unterricht praktisch Anwendung finden?

Lernen stellen wir uns oft so vor, dass die Kinder stillsitzen und Aufgaben bearbeiten. Lernen geschieht visuell beim Lesen und höchsten noch auditiv, wenn die Lehrperson spricht. Mit dem Bewegungssinn als weitere Komponente könnten Lernprozesse vereinfacht und Schüler motiviert und aktiviert werden. Bewegtes Lernen kann z.B. durch häufigere Methodenwechsel passieren. Lernaktivitäten, die Schüler zur Bewegung auffordern sind im naturwissenschaftlichen Unterricht beispielsweise Experimente und erkenntnisorientierte Aufgaben, sowohl mit Naturmaterialien als auch mit dem eigenen Körper. Im Sprachenunterricht können Bewegungswörter gelernt, Inhalte szenisch dargestellt oder Laufdiktate gemacht werden. Auch können bewegungsorientierte Lernstrategien eingesetzt werden, bei dem z.B. Vokabeln oder auch Sachinhalte mit einer Bewegung verknüpft werden.

Beispiel für bewegungsorientiertes Vokabellernen

„Beim Vokabellernen bilden die Kinder Gruppen. Jedes Kind der Gruppe liest nun reihum eine Vokabel vor. Dazu überlegt es sich eine Bewegung, die zum Wort passt. Ein Schüler liest das Wort football – ein Fußball vor. Dazu macht er mit seinem Fuß eine schießende Bewegung. Alle wiederholen die Vokabel und die Bewegung. Dann ist der nächste dran.“

 

Weitere Unterrichtsbeispiele für alle Fächer findet ihr unter:
https://www.bewegte-schule-und-kita.de/konzept/bewegteSchule/deutsch/html/bewegtes_lernen.html

Wenn es nun im Unterricht zu Phasen des Sitzens kommt, sind viele Schüler vermehrt unruhig und fangen an mit dem Stuhl zu kibbeln oder immer wieder aufzustehen. Gerade im Bereich der Sonderpädagogik fällt das durchgängige Sitzen vielen Schülern schwer. Durch das Anpassen der Sitzbedingungen durch verstellbares Sitzmobiliar oder durch z.B. Gymnastikbälle oder Sitzkissen kann die Sitzhaltung individuell angepasst werden. Aber auch der Wechsel von verschiedenen Sitzhaltungen kann förderlich sein. Das sind Methoden des dynamischen Sitzens.

Abb. 10: Dynamisches Sitzen

Wenn die Aufmerksamkeit der Schüler irgendwann doch nachlässt, weil sich zu lange auf ein Thema konzentriert wurde, können Bewegungspausen die Konzentration fördern. Dabei können sowohl gymnastische, rhythmisch-musische als auch spielerische Elemente eingebracht werden. Nach dem kurzen Bewegungsinput ist die Konzentration wieder da. Diese Auflockerungsübungen können dabei auch von den Schülern selbst geleitet werden.

Beispiel für eine Bewegungspause – Bewegungsmemory

„Die Schüler finden sich in Paaren zusammen. Jedes Paar überlegt sich eine Bewegung. Ein Paar geht vor die Tür und muss dann Memory spielen. Statt Karten werden hier immer die zwei gleichen Bewegungen der anderen Kinder gesucht.“


Eine schöne Umsetzung des Konzeptes der Auflockerungsminuten, bzw. Bewegungspausen, gibt es hier:
https://www.youtube.com/watch?v=zhvtuTDazA8


Unruhe kann aber auch mit Ruhe begegnet werden. Gerade nach einer anstrengenden Einheit können entspannende Spiele, kurze Meditationen oder Wahrnehmungsübungen eine Möglichkeit sein. 

Methoden zur Auflockerung, Entspannung oder dem Stillen des Bewegungsdrangs können auch individuell für einzelne Schüler eingesetzt werden. Die Schüler können selbst und eigenverantwortlich entscheiden eine Methode anzuwenden, wenn sie denken, dass sie davon in dieser Situation profitieren.

 

Tipp:

Nicht nur der Unterricht, sondern das ganze Schulleben können bewegt sein. Die Pause kann Pausenspiele oder Bewegung zu Musik aufgelockert werden. Der Schulhof kann durch Bewegungsinseln zur Aktivität einladen. Und Sportliche Geräte und Bewegungsmaterialien könnten statt in der Sporthalle auch im ganzen Schulgebäude verteilt und leicht zu erreichen sein.


Zum Weiterlesen:




Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Schülerbrief

DGUV Information 202-101 - Bewegung und Lernen / Teil II - Bausteine für die Praxis Bewegter Schulen / D Bausteine für die Praxis / 8 Handlungsfeld »Steuern und organisieren« / 8.1 Kind- und lehrergerechte Rhythmisierung (vbg.de)

Abb. 2: aktive Pause

Motorik 21 (1998, H. 1)

Abb. 3: Kiphard:            

http://kiphard-stiftung.de/jonny-kiphard/filmdokumentation-bildergalerie/bildersammlung-von-rolf-verres/

Abb. 4: Selbstwahrnehmung

https://www.jmouders.nl/8-manieren-om-je-kind-een-positief-zelfbeeld-aan-te-leren/

Abb. 5: Turnhalle

https://www.lwl.org/jphamm-download/hamm06.htm

Abb. 6: Projekt

https://www.canstockphoto.de/innen-satz-spielende-kinder-36885407.html

Abb. 7: Schwimmbad:

https://www.kindergarten-parsberg.de/kindergarten/besonderheiten/vorschulkinder-im-schwimmbad/

Abb. 8: Wald:

https://clever-kids.eu/tipp/naturspielraum/

Abb. 9: Teppichfließen

https://reader.onleihe.de/#/book/handbuch-der-psychomotorik

Abb. 10: Dynamisches Sitzen

https://www.bewegte-schule-und-kita.de/konzept/bewegteSchule/deutsch/html/dynamisches_sitzen.html



Literaturverzeichnis 

Arnold, R. und Prescher T., (2015), Lernort Schule - Wege zu einer offenen Lernkultur (S. 208-209). Köln: Wolters Kluwer Deutschland GmbH.

(2001). In R. Projektgruppe, Bewegte Schule - Anspruch und Wirklichkeit (S. 86). Schorndorf: Hofmann Schorndorf.

(2007). In R. Hildebrand-Stramann, Bewegte Schule - Schule bewegt gestalten (S. 185). Schorndorf: Schneider Verlag Hohengehren.

(2015). In R. Arnold, & T. Prescher, Lernort Schule - Wege zu einer offenen Lernkultur (S. 208-209). Köln: Wolters Kluwer Deutschland GmbH.

Fischer, K. (2019). Einführung in die Psychomotorik. München: Ernst Reinhardt Verlag. Von http://www.reinhardt-verlag.de/_pdf_media/probeartFI_Fischer.pdf abgerufen am 10.12.2020

GSG Aldenhoven, o. G. (2020). Von http://ggsaldenhoven.de/psychomotorik/ abgerufen am 9.12.2020

Lesniak, E. (2005). Aktive Pausen / Bewegungspausen während des Unterrichts. Von https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/documents/2019-11/Bewegung_Bewegungspausen.pdf abgerufen am 11.12.2020

Müller, C. et. al., Bewegte Schule in Sachsen, Von https://www.bewegte-schule-und-kita.de/  abgerufen am 14.12.20

Nüse, C. (2016). Heilpädagogik & Entwicklungsbegleitung. Von https://www.heilpaedagoge-nuese.de/methoden/psychomotorik/ abgerufen am 13.12.2020

PsychomotorikUndSpiele. (2019). PsychomotorikundSpiele. Von https://www.psychomotorikundspiele.de/psychomotorik/psychomotorik-definition.html/ abgerufen 10.12.2020

Stangl, W. (2020). Online-Enzyklopädie aus den Wissenschaften Psychologie und Pädagogik. Von https://lexikon.stangl.eu/82/psychomotorik/ abgerufen 16.12.2020

Zimmer, R. (2012). Handbuch der Psychomotorik. Freiburg im Breisgau: Herder.

 

 

 



[1] (Lernort Schule - Wege zu einer offenen Lernkultur, 2015)

[2] (Bewegte Schule - Anspruch und Wirklichkeit, 2001)

[3] (Bewegte Schule - Schule bewegt gestalten, 2007)

[4] (Bewegte Schule - Anspruch und Wirklichkeit, 2001)

[5] (Zimmer, 2012, S. 18)

[6] (PsychomotorikUndSpiele, 2019)

[7] (GSG Aldenhoven, 2020)

[8] (Zimmer, 2012, S. 15)

[9] (Fischer, 2019, S. 189)

[10] (Zimmer, 2012, S. 22-24)

[11] (Zimmer, 2012, S. 10)

[12] (Zimmer, 2012, S. 237)

[13] (Zimmer, 2012, S. 240-241)

[14] (Lesniak, 2005)


7 Kommentare:

  1. Hallo Hannah, Viktoria und Lena,

    vielen Dank für Euren interessanten und aufschlussreichen Blogbeitrag zum Thema Bewegte Schule.
    Er hat mir neu gezeigt, wie wichtig Bewegung ist und wie diese unsere Körperwahrnehmung und -entwicklung sowie Gesundheit beeinflusst. Es ist für mich gut nachvollziehbar, wie Bewegung im Alltag durch die Medien abnimmt. Hinzu kommt auch, dass Kinder viel weniger im Freien spielen und oft mit dem Auto zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten gefahren werden.
    Dass Bewegung auch in der Schule von zentraler Bedeutung sein sollte, ist mir durch euren Beitrag neu bewusst geworden. Die Ansätze von Ernst J. Kiphard zum Thema Motorik und Psyche scheinen mir schlüssig, ich werde diese bei Gelegenheit genauer anschauen.
    Die konkreten Beispiele und Methodiken zu mehr Bewegung in der Schule haben mir gut gefallen. Ich habe mich an meine Grundschulzeit zurückerinnert, in welcher ebenfalls Laufdiktate und kreative Traumreisen in den Unterricht mit eingebaut wurden.
    Ich kann mir vorstellen, dass mehr Bewegungseinheiten und die daraus resultierenden Methodenwechsel im Unterricht kurzfristig deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber sich langfristig auszahlen werden, da die Kinder konzentrierter und ausgeglichener in Arbeitsphasen mitarbeiten.
    Ich bin gespannt, welche Methodiken zukünftig Anwendung finden und welche ihr in eurem Unterricht einsetzen werdet.

    Liebe Grüße und bleibt in Bewegung!
    Lydia

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    1. Hallo liebe Lydia,

      vielen Dank für deine positive Rückmeldung zu unserem Blogbeitrag. Der Bewegungsdrang von Kindern hat über die Jahre meiner Meinung nach nicht abgenommen, da es ein natürlicher Trieb zur Erkundung der Lebenswelt ist. Jedoch stimme ich dir zu, dass der Medienkonsum durch das vermehrte Angebot an Medien gestiegen ist. Umso mehr muss die Schule differenzierte Bewegungsmöglichkeiten für jedes Kind schaffen. Wunderbar ist die Tatsache des vielfältigen Angebots für Lehrkräfte zur Bewegungsförderung. Eine Aktion aus der Fülle dieses Angebots ist die GUT DRAUF Aktion zur Förderung eines gesunden Lebensstils von Mädchen und Jungen im Alter von 5 bis 18 Jahren. Für mehr Informationen leg ich dir ihre Website https://www.gutdrauf.net/ ans Herz.
      Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Bewegung nicht mehr nur als Ausgleich zum Unterricht, sondern vielmehr als Teil des Unterrichts gesehen wird.

      Viele sportliche Grüße

      Hannah

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  2. Hallo liebes Bloggerteam,
    ich finde euren Blog sehr gelungen. Er behandelt ein interessantes Thema, ist gut strukturiert, gibt einen guten Überblick und wird sehr gut mit Bildern unterstützt (welche wir in unserem Blog vielleicht hätte auch einfügen können). Besonders interessant finde ich den Bezug zum Medienkonsum der SchülerInnen, da er die aktuelle Realität (auch unabhängig von Corona) anspricht. Ich bin auch der Meinung dass Bewegung in der Schule zu kurz kommt und damit meine ich vor allem selbstbestimmtes, spielerisches Bewegen ohne Vorgaben eines Sportlehrers. Schüler sollen Spaß daran haben sich zu bewegen und auch mal abgelenkt werden und kurzzeitig Abstand gewinnen von schulischen Themen. Aber auch von Lehrern geleitetes Bewegen lässt sich oft gut durchführen. Bedingung für häufigere und längere Pausen wäre aber dass ein Schultag länger gehen müsste, was sich für die meisten SchülerInnen (und eventuell auch LehrerInnen) erstmal unattraktiv anhören könnte. Ich kann mir aber vorstellen dass es für die ein oder anderen Eltern sogar von Vorteil sein könnte wenn ihre Kinder über einen längeren Zeitraum betreut werden. Besonders gut sind euch die Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis gelungen.
    SchülerInnen verschiedene Sitzmöglichkeiten anzubieten stell ich mir dabei aber sehr schwierig vor, da es hier zu vielen Unterrichtsstörungen kommen kann. Auch verschiedenes Sitzmobiliar in Klassenräumen ist dabei von den oft kleinen Räumen schwer zu bewältigen und stellt nochmal Kosten für die Schule dar. Gut vorstellen kann ich mir diese Methode des dynamischen Sitzen in Einzel- oder Gruppenlernphasen, in denen SchülerInnen über einen längeren Zeitraum ein etwas größeres Thema selbst erarbeiten oder Präsentationen vorbereiten sollen. Hier sollte aber darauf geachtet werden dass es sich um eine Klasse handelt, mit der solche Phasen auch durchgeführt werden können, d.h. wenn SchülerInnen in der lage sind über einen längeren Zeitraum ruhig und konstant an einem Projekt arbeiten zu können (hier können SchülerInnen wiederum mit Bewegungspausen unterstützt werden, wie ihr angesprochen habt). Dann könnten auch Freiheiten gegeben werden, wo Schüler ihre Arbeitsposition und -haltung selbst aussuchen und wechseln können.
    Begeistert bin ich von der Idee Bewegungstutoren auszubilden. SchülerInnen können innerhalb ihrer Klasse selber jemanden wählen, der die Rolle übernimmt oder super könnte das mit der SMV/den Klassensprecher verbunden werden. Das einführen von Bewegungskisten finde ich dagegen sehr leicht umzusetzten, praktisch und finanziell.

    Vielen Dank für diesen Einblick :D

    Viele Grüße,
    Xenja

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    1. Liebe Xenia,
      Dankeschön für das Lesen unseres Beitrags und deinen tollen Kommentar!
      Bei der freien, interessengeleiteten Bewegung z.B. auch im Sportunterricht bin ich voll bei dir. Das wäre in der der Tat eine gute Möglichkeit und würde die Selbstbestimmung und die interessengeleitete Beschäftigung mit Bewegung der Schüler fördern. Und genau dann wäre auch das Potential für ein Flow-Erleben seitens der Schüler da, was letztendlich auch die Zieldimension bewegter Schule wäre: Spaß und Interesse an Bewegung fördern, nicht der Zwang zu irgendwelchen Sportübungen, die benotet werden müssen.
      Dass du die Länge des Schultags mit aufgreifst fand ich sehr interessant und ich muss zugeben, dass ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht habe. Allerdings fände ich es sinnvoll, wenn der Schulalltag generell eher phasenorientiert, statt Schulstundenorientiert abläuft. Längere Unterrichtsphasen können mit kurzen Bewegungsphasen (5 Minuten) oder Entspannungsphasen aufgelockert werden. Und dann kann es ein oder zwei größere Pausen geben, bei denen Zeit und Raum viel Spiel und Bewegung gegeben wird. So wird der Schultag nicht so viel länger, als wenn man immer nur 15 Minuten Pause hat, die dann auch nicht sinnvoll genutzt werden kann, da die Zeit gerade einmal fürs Vesperessen reicht.
      Das Störungspotential vom Sitzmobiliar kann ich auch verstehen, hier sind jedoch der Klassenkontext und die individuellen Schüler zu beachten und insgesamt sollte geschaut werden, was der Einzelschüler braucht, um möglichst konzentriert arbeiten zu können. Auch kann Sitzmobiliar von Fach zu Fach unterschiedlich sein, evtl. könnten also die Fachräume entsprechend ausgestattet werden.
      Ich hoffe, dass wir dir mit unserem Beitrag ein paar tolle Ideen und Möglichkeiten aufzeigen konnten!
      Liebe Grüße,
      Lena

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  3. Liebe Bloggerinnen,
    vielen Dank für euren gut gelungenen und sehr interessanten Blogbeitrag zum Thema Bewegung in der Schule.
    Euer Blogbeitrag hat mir wieder einmal gezeigt, dass es in der Schule nicht nur um Wissensvermittlung geht und Schule nicht nur einen Lernraum darstellt, sondern dass es in der Schule auch um Persönlichkeitsentwicklung geht und die Schule einen Lebensraum darstellt. Deshalb ist auch Bewegung ein so wichtiger Punkt im Schulalltag, der leider viel zu oft vergessen wird.
    An eurem Blogbeitrag hat mir sehr gut gefallen, dass ihr so viele Beispiele und Ideen eingebaut und Links zur Verfügung gestellt habt, mit denen man noch mehr Anregungen finden kann. Außerdem fand ich den Brief des Schuljungen sehr interessant, weil er zeigt, dass wir als Lehrpersonen manchmal Dinge von unseren Schülern verlangen, die wir selbst nicht können. Vor allem im Online-Studium geht es mit Sicherheit vielen von uns Studenten so, dass wir kurz aufstehen, um zur Toilette zugehen, um das Fenster zu öffnen oder zu schließen, um etwas zu trinken zu holen, usw. Auch wir können keine fünf Stunden stillsitzen und konzentriert an einer Aufgabe arbeiten.
    Ich denke es wäre auch wichtig, die Eltern in das Projekt „Bewegte Schule“ mit einzubeziehen. Immer wieder sollten die Eltern darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig Bewegung im Alltag ihrer Kinder ist und welche Möglichkeiten es gibt, mehr Bewegung in den Alltag der Schülerinnen und Schüler einzubauen. Der Punkt „Bewegte Schule“ könnte zum Beispiel bei jedem Elternabend thematisiert werden.
    Außerdem kann ich mir vorstellen, dass auch außerunterrichtliche Angebote, wie zum Beispiel verschiedene AGs (Fußball, Volleyball, …), sehr gut bei den Kindern ankommen würden und dazu beitragen könnten, die Bewegung der Schülerinnen und Schüler im Alltag zu erhöhen.
    Des Weiteren denke ich, dass Kooperationen mit außerschulischen Partnern sinnvoll wären. Zum Beispiel könnten immer wieder Trainer von verschieden Sportvereinen eine Unterrichtsstunde gestalten und ihren Sport vorstellen. Dadurch könnten die Kinder eventuell für eine Sportart begeistert werden, die sie dann regelmäßig im Verein ausüben können.

    Liebe Grüße
    Monja

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  4. Liebes Bloggerteam,
    tatsächlich bin ich in der Vorbereitung auf die Psychologieprüfung über den begriff psychomotorische Entwicklung gestolpert. Mir war davor nicht bewusst, dass es das Wort Psychomotorik überhaupt gibt.
    Das zeigt, dass dieses Wort im schulischen Alltag und in der Hochschule nicht oft fällt
    Gerade deswegen ist euer Blogbeitrag sehr aufschlussreich.
    Eventuell wird die Ich-Kompetenz sowie die Soziale-Kompetenz öfter als zu wenig wichtig wahrgenommen.
    Weswegen auch ihre Förderung durch Psychomotorik ab und an in den Hintergrundgerät.
    Für mich als Erwachsenen ist es viel einfacher länger zu sitzen und mich nach dem Lernen oder der Arbeit zu bewegen.
    Im Laufe meiner Schullaufbahn habe ich gelernt, dass Bewegen nicht so wichtig ist wie das Erbringen von Leistung in der Schule.
    Aber gerade junge Kinder haben da ganz andere Bedürfnisse.
    In einer Klasse stelle ich es mir schwer vor die Bewegungsbedürfnisse aller Kinder parallel gerecht zu werden.
    Wie geht man mit Kindern um, die schneller Bewegung brauchen als andere Kinder?
    Liebe Grüße
    Friederike

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  5. Liebe Hannah, Viktoria und Lena,

    zurzeit setze ich mich der Thematik der Bewegten Schule im Rahmen meiner Ausbildung zur Übungsleiter*in für Menschen mit geistiger Behinderung, genauer auseinander. Die Bedeutung von Sport im Alltag ist enorm wichtig, da wie ihr bereits erwähnt habt, dies die Grundlage für Konzentration, Ausdauer und Genauigkeit bildet. Diese drei Komponenten sind während dem Schulalltag von enorm wichtiger Bedeutung während dem Lernen. Hier stellt sich meiner Meinung nach die Frage gar nicht mehr, ob Bewegung in den Schulalltag mit eingebaut werden muss, sondern wie. Auch eure Vorschläge für einen ganzheitliches Körperkonzept der Psychomotorik unter E.J. Kipphardt ist einleuchtend. Die Methoden des dynamischen Sitzens oder auch das Bewegungsmemory sind gute Vorschläge und lassen sich meiner Meinung nach gut in den Schulalltag einbauen. Auch die genannten Entspannungsübungen dürfen meiner Meinung nach im oft auch stressigen Schulalltag nicht fehlen. Ich habe auf jeden Fall interessante Ideen mitgenommen und bin gespannt, inwiefern wir als dann bald fertige Lehrer*innen Bewegung im Schulalltag mit einbauen.
    Es ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema mit dem man sich als angehende Lehrer*in auseinandersetzen muss. Danke für euren wichtigen Beitrag.

    Beste Grüße,
    Anna-Lena Müller

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