Montag, 4. Januar 2021

Pränataldiagnostik - Wer definiert Gesundheit?


In diesem Blogbeitrag möchten wir auf verschiedene Aspekte der Pränataldiagnostik eingehen und mit dem Gesundheitsbegriff in Verbindung setzen. Das Thema wird in der Gesellschaft unterschiedlich diskutiert und somit werden Unklarheiten und falsche Informationen verbreitet. Deshalb ist es wichtig die Thematik bereits im Unterricht aufzugreifen, damit die Schüler*innen ihre eigenen Meinungen bilden können und begründet Argumentieren lernen. Beim Lesen treten Fragen auf, welche in den Kommentaren diskutiert werden können. Viel Spaß beim Lesen 😊

Autoren: Leoni Birkle, Sophia Sonja Konegen

Seminar: Einführung in die Gesundheitsförderung

Dozent: Herr Prof. Dr. Schaal

Veröffentlicht: WiSe 2020/21


Pränataldiagnostik – Wer definiert Gesundheit?

1. Einstieg: Was ist Gesundheit? 

Die Interpretationsmöglichkeit des Gesundheitsbegriffs ist mehrdimensional, weshalb ein Vergleich sinnvoll ist. Die WHO konzentriert sich mit ihrer rein biomedizinischen Sichtweise auf die wechselseitige Beeinflussung von Körper, Geist und Sozialem.  Kritikpunkte bei dieser Definition sind zum einen die Formulierung des „Zustands“ und des „vollkommenen … Wohlbefindens“. Gegensätzlich lehnt Aquin den festgelegten Zustandsbegriff ab und setzt eher auf die individuelle Haltung. Aquin geht dabei lediglich auf einen Faktor ein, der die Gesundheit bestimmt.  

 2. Definition Pränataldiagnostik 







Zum Weiterlesen hier klicken. 

3. Schritte nach der invasiven Pränataldiagnostik

Nach der Durchführung der invasiven Pränataldiagnostik entsteht für die Eltern ein emotionales Ereignis, da nun das Ergebnis feststeht. Wenn keine Auffälligkeiten erkannt wurden, so tritt seitens der Eltern Erleichterung auf und die Erwartungen an ein völlig gesundes Kind sind hoch. Dennoch können sowohl Perinatale als auch postnatale Komplikationen auftreten, mit denen die Eltern dann nicht mehr rechnen.

Kommen jedoch Auffälligkeiten zum Vorschein, so müssen Eltern wichtige Entscheidungen treffen, wie Geburtsvorbereitungen, Krankenhausauswahl, persönliche Umstellung, finanzielle Umstände,... Kommen diese Anpassungen für die Eltern nicht infrage, so besteht die Möglichkeit einer Interruptio (Schwangerschaftsabbruch). Betrachtet man den Schwangerschaftsabbruch unter dem ethischen Aspekt, so stellt sich die Frage: Wann beginnt Leben? 

  • Sobald die Eizelle befruchtet wurde?
  • Mit Beginn des Herzschlags?
  • Beim Durchtrennen der Nabelschnur?

Weiterführender Link

4. Fazit - Pränataldiagnostik Ja oder Nein?

„Hauptsache gesund!“ ist in unserer Gesellschaft in aller Munde. Ausschlaggebend vor der Entscheidung zur invasiven Pränataldiagnostik ist ein klares Verständnis des Gesundheitsbegriffes. Hierbei sind die persönliche Sichtweise und die ethische Überzeugung entscheidend. Mit der Entscheidung, wann für einen Leben beginnt, kann der Gesundheitsbegriff einhergehen. Vertritt man die Meinung, dass sich Gesundheit erst in einem Lebensprozess entwickeln kann (soziales Wohlbefinden/Freude am Leben), so fällt die Entscheidung eher gegen die invasive Pränataldiagnostik. Für eine invasive Pränataldiagnostik steht die Ansicht, dass Gesundheit bereits im Mutterleib festgelegt werden kann. Es gibt dennoch weitere Ansichten, welche Entscheidungstragend sind. Bisher stand die völlige Entscheidung bei der Schwangeren bzw. den werdenden Eltern. Hierbei handelt sich um entstandenes Leben, über das hinweg entschieden wird. Kann/darf/soll man das?

Trotz allem müssen alle begründeten Entscheidungen in unserer Gesellschaft akzeptiert und toleriert werden. Um seine eigene Entscheidung treffen zu können, kann dieser Link hilfreich sein.

Exkurs: Thematisierung im Unterricht:

Um die Gesellschaft zu sensibilisieren, sollte diese Thematik im Unterricht aufgegriffen werden. Das Thema bietet Raum ab der 10. Klasse in den Fächern Biologie und Religion/Ethik oder in einer dementsprechenden Fächerkombination. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass die Lehrperson sachlich das Thema behandelt. Die Schüler*innen dürfen bei verschiedenen Diskussionsmethoden ihre eigene Meinung oder zugewiesene Rolle durch Argumente mitteilen und so auch andere Ansichten kennenlernen. Dabei leitet die Lehrperson den Gesprächsverlauf und kann durch Nachfragen und Gegenargumente zum Nachdenken anregen.

Für genauere Unterrichtsinhalte hier klicken. 

Quellen: 


  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Was ist Pränataldiagnostik?: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/praenataldiagnostik/was-ist-praenataldiagnostik/
  • Peter Franzkowiak, Klaus Hurrelmann. Gesundheit: https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/gesundheit/
  • Florian Bruns. Die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens – ein ethisches Problem aus historischer Sicht: https://www.bggf.de/cms/assets/content/pdfs/13_Frage%20nach%20Beginn.pdf
  • Insleme. Vorgeburtliche Tests: https://static1.squarespace.com/static/59106ae5d2b8578e647f6bb8/t/5931a8232994ca2e3f71abc8/1496426539407/Insieme-Flyer-Web-de-A4_quer.pdf
  • Tutzinger Diskurs. Unterrichtsmaterial:http://www.netzwerk-praenataldiagnostik.de/fileadmin/praenatal-diagnostik/bilder/Tutzinger_Diskurs__Input_fuer_Lehrkraefte.pdf
  • Quarks. So zuverlässig sind Früherkennungstests wirklich: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/so-zuverlaessig-sind-frueherkennungstests-wirklich/
  • Zitat zum Thema: Gesundheit: https://www.aphorismen.de/zitat/100832
  • WHO-Regionalbüro für Europa: https://www.euro.who.int/de/media-centre/sections/press-releases/2013/03/new-who-report-reveals-unequal-improvements-in-health-in-europe-and-calls-for-measurement-of-well-being-as-marker-of-progress







13 Kommentare:

  1. Jana Guttroff05.01.21, 21:14

    Liebe Leoni und Sophia,

    vielen Dank für euren interessanten Blog-Beitrag. Ihr habt damit ein sehr sensibles Thema angesprochen, was unbedingt häufiger thematisiert werden sollte. Gerade an Schulen ist es wichtig diese Thematik anzusprechen, sodass die Schüler*innen erste Erfahrungen mit diesem Thema machen können. Wir ihr auch schon geschrieben habt, sollte die Meinung der Lehrkraft neutral bleiben, dass die Schüler*innen sich ihre eigene Meinung aufbauen können. Bei pränataldiagnostischen Untersuchungen kommt es auf jedes Paar bzw. jede Frau und ihr ungeborenes Kind individuell an.
    Bei der Pränataldiagnostik wird eine vorgeburtliche Untersuchung vorgenommen, die das ungeborene Kind auf die Gesundheit und mögliche Behinderungen und Beeinträchtigungen untersucht. Doch an dieser Stelle muss man sich erst einmal deutlich machen, was man unter dem Gesundheitsbegriff überhaupt versteht. Ihr habt zwei Definitionen aufgeführt, die aussagen, dass Gesundheit „ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ ist und dass Gesundheit „weniger ein Zustand als eine Haltung“ ist, die mit der Freude am Leben gedeiht. Gesundheit ist also verschieden definierbar. Hier kann man sich die Frage stellen, ob ein Kind mit einer Beeinträchtigung nicht trotzdem „gesund“ sein kann. Für das Kind mit z.B. Trisomie 21 ist diese Beeinträchtigung „normal“, es kennt sich nur damit. Das Kind kann auch Freude am Leben haben und sich dadurch gesund fühlen.
    Um mögliche Beeinträchtigungen des Kindes herausfinden zu können, gibt es verschiedene Methoden, die durch eure eingefügten Links zur Vertiefung sehr gut erklärt werden. Man sollte sich als Eltern gut überlegen, ob man eine invasive Methode durchführen möchte. Die Entscheidung ist aber auf die persönlichen Umstände zurückzuführen und kann bei jedem Paar andere Gründe haben. Wichtig zu wissen ist, dass diese Methode erhöhte Risiken für das ungeborene Kind hat, wodurch es eventuell zur Fehlgeburt kommen kann. Die Entscheidung des Paares hat aber sicherlich Gründe und sollte aber von der Gesellschaft toleriert werden.
    Häufig werden Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, wenn bei der pränatalen Diagnostik eine Behinderung festgestellt wird. Allerdings sind die Diagnosen nicht immer eindeutig. Die Eltern müssen dann entscheiden, ob sie der Möglichkeit einer Interruptio folgen oder nicht. Die Antwort der Eltern auf die Frage, wann das Leben beginnt, könnte hier entscheidend sein. Ebenfalls das Verständnis vom Gesundheitsbegriff. Wie oben schon erwähnt, kann auch ein Kind mit Beeinträchtigungen ein „gesundes“ Leben führen.
    Euer Blog-Beitrag gibt insgesamt einen guten Einblick in die Thematik und ist strukturiert aufgebaut. Durch die eingefügten Verlinkungen kann man sich weitere interessante Artikel durchlesen.

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Liebe Jana,
      vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung zu unserem Blogbeitrag. Du sprichst die Thematisierung der Pränataldiagnostik im Unterricht an. Dabei stimme ich dir zu, dass der Umgang der Lehrperson mit dem Inhalt eine entscheidende Rolle spielt. In der Theorie hört sich dies sehr einfach an. Bei der Umsetzung können jedoch Schwierigkeiten auftreten, die von der Lehrperson eventuell nicht direkt erkannt werden. Die Lehrperson erwartet von den SuS eine tiefe Auseinandersetzung mit der Thematik, bei der verschiedenste Gefühle im Klassenzimmer zum Vorschein kommen. Durch diese unterschiedlichen Gefühle stehen sich differenzierte Positionierungen gegenüber. Doch inwiefern darf bzw. sollte die Lehrperson auch ihre Gefühle und Meinungen mit der Klasse teilen? Würde es der Lehrperson gelingen, vollkommen neutral zu agieren wäre eine konstruktive Diskussion schwer möglich. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, dass die Lehrperson ihre Meinung angemessen mitteilt. Diese muss jedoch so vermittelt werden, damit die SuS das Gefühl bekommen, dass auch die Lehrperson nur eine Meinung von vielen vertritt.
      Du gehst mit deinem Kommentar auf die Trisomie 21 ein und bringst diese in Zusammenhang mit dem Gesundheitsbegriff. Durch dieses Beispiel wird einem bewusst, wie schwierig es ist zu definieren, was „normal“ bzw. „gesund“ ist. Kinder mit Trisomie 21 können genauso lebensfroh sein und erfülltes Leben führen wie Menschen ohne Trisomie 21. In der Schwangerschaft können Besonderheiten (wie z.B. die Trisomie 21) erkannt werden, jedoch nicht die spätere Entwicklung, welche ausschlaggebend für ein zufriedenes Leben ist.
      Liebe Grüße
      Sophia

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    2. Liebe Jana,
      Dankeschön für deinen interessanten Kommentar und die verschiedenen Inputs. Ich stimme den Äußerungen von Sophia bezüglich der Thematisierung im Unterricht zu. Für SuS kann es schwierig sein, die eigene Meinung offen darzulegen bzw. die eigenen Gefühle zu teilen. Diese Ausgangssituation bietet Raum für eine Unterrichtseinheit mit entsprechenden Methoden. Hier könnte die Lehrperson zunächst verschiedene Informationen zu der Thematik bereitstellen. Anschließend werden den SuS Rollen zugeteilt, die unterschiedliche Positionen vertreten. Durch die Rollenzuschreibungen werden mögliche Auseinandersetzungen aufgrund der persönlichen Meinung vermieden. Außerdem lernen die SuS durch das Hineinversetzen in differenzierte Rollen einen anderen Blick in die Thematik. Daraus folgt, dass sie andere Meinungen besser verstehen und akzeptieren können. Die Diskussion wird im Vorhinein mittels Argumente von den SuS vorbereitet. Dadurch lernen die SuS, wie man durch eine schlüssige Argumentation seine Meinung vertreten kann und eventuell andere dadurch zu überzeugen.
      Du greifst in deinem Kommentar den Zusammenhang von Schwangerschaftsabbruch und dem Befund der Pränataldiagnostik auf. Es gibt zahlreiche Statistiken über die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen und der Pränataldiagnostik. Hierbei wäre interessant zu wissen, welche Gründe die werdenden Eltern zur Durchführung der Pränataldiagnostik veranlasst und wie diese die Entscheidung eines Schwangerschaftsabbruchs beeinflusst.
      Liebe Grüße
      Leoni

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    3. Liebe Jana,
      Dankeschön für deinen interessanten Kommentar und die verschiedenen Inputs. Ich stimme den Äußerungen von Sophia bezüglich der Thematisierung im Unterricht zu. Für SuS kann es schwierig sein, die eigene Meinung offen darzulegen bzw. die eigenen Gefühle zu teilen. Diese Ausgangssituation bietet Raum für eine Unterrichtseinheit mit entsprechenden Methoden. Hier könnte die Lehrperson zunächst verschiedene Informationen zu der Thematik bereitstellen. Anschließend werden den SuS Rollen zugeteilt, die unterschiedliche Positionen vertreten. Durch die Rollenzuschreibungen werden mögliche Auseinandersetzungen aufgrund der persönlichen Meinung vermieden. Außerdem lernen die SuS durch das Hineinversetzen in differenzierte Rollen einen anderen Blick in die Thematik. Daraus folgt, dass sie andere Meinungen besser verstehen und akzeptieren können. Die Diskussion wird im Vorhinein mittels Argumente von den SuS vorbereitet. Dadurch lernen die SuS, wie man durch eine schlüssige Argumentation seine Meinung vertreten kann und eventuell andere dadurch zu überzeugen.
      Du greifst in deinem Kommentar den Zusammenhang von Schwangerschaftsabbruch und dem Befund der Pränataldiagnostik auf. Es gibt zahlreiche Statistiken über die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen und der Pränataldiagnostik. Hierbei wäre interessant zu wissen, welche Gründe die werdenden Eltern zur Durchführung der Pränataldiagnostik veranlasst und wie diese die Entscheidung eines Schwangerschaftsabbruchs beeinflusst.
      Liebe Grüße
      Leoni

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  2. Liebe Leoni und liebe Sophia,
    um in Situationen einer Schwangerschaft auf fundierten Argumenten Entscheidungen bezüglich Interruptio, Vorsorge und den Umgang mit Diagnosen finden und fällen zu können, ist es wichtig sich mit Folgeerscheinungen, Risiken und Vorteilen auseinander gesetzt zu haben. Danke für euren Beitrag.
    Ihr habt die invasiven und nicht-invasiven Methoden zu Pränataldiagnostik sehr sachlich nach Vor- und Nachteil geschildert. Die angegebenen Links sorgen für die nötige Vertiefung. Der Umgang mit Diagnosen ist sicherlich immer schwierig und in jedem Falle beruht er auf persönlichen Werten, Erwartungen, Zielen und Möglichkeiten, die es zu respektieren gilt.
    Welches ist die Quelle für die Aussage: "Wenn keine Auffälligkeiten erkannt wurden, so tritt seitens der Eltern Erleichterung auf und die Erwartungen an ein völlig gesundes Kind sind hoch. Dennoch können sowohl Perinatale als auch postnatale Komplikationen auftreten, mit denen die Eltern dann nicht mehr rechnen." Fraglich ist, ob man dies so grob verallgemeinern kann. Spannend wäre sich diese Thematik in Bezug auf unterschiedliche Gesellschaftssystem und-schichten anzusehen. Gibt es gesellschaftliche Kreise in denen die Erwartungen an ein "völlig gesundes Kind" höher sind. Inwiefern hat dies auch mit der Erwartung der werdenden Eltern an ihre eigene Gesundheit zu tun und wieviel innigen Kontakt haben diese zu körperlich-/geistig-/sozial behinderten Menschen.
    Schaut man sich die Ziele der Inklusionsbewegung in Deutschland an, so ist verankert, dass behinderten/eingeschränkten Menschen die gleiche Wertigkeit und Teilhabe zugeschrieben werden muss. Andererseits fallen Schwangerschaftsabbrüche nach einem prädiagnostischen Befund unter das Gesetz der medizinischen Indikation. Was bedeutet, dass der Zeitpunkt des Abbruches nicht zwingend an die Schwangerschaftswochen gebunden ist und somit ein Abbruch auch nach der 12 SSW stattfinden kann (siehe: https://www.profamilia.de/themen/schwangerschaftsabbruch). Damit stellt sich die Frage wie können wir als Gesellschaft den Leben körperlich beeinträchtigter Menschen schon vor der Geburt weniger Teilhaberechte (nach der 12 SSW) zuschreiben und gleichzeitig Teilhabe und Inklusion fördern.
    Ich freue mich über eine Antwort.
    Liebe Grüße,
    Leona Krause

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    1. Liebe Leona.
      Vielen lieben Dank für die zahlreichen Anregungen und Fragen zu unserem Blogbeitrag. Du sprichst in deinem Kommentar verschiedenste Punkte an. Ich möchte speziell auf deine Frage bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs eingehen. Der Schwangerschaftsabbruch ist eine höchst persönliche Entscheidung, die jede betroffene Schwangere für sich entscheiden muss. Du bringst den Zusammenhang zwischen dem legalen Abtreiben in der späten Schwangerschaft mit der Forderung der Inklusionsbewegung nach Inklusion und Teilhabe auf. Du bringst den Widerspruch diesbezüglich klar auf den Punkt und verdeutlichst die kritische Auseinandersetzung, mir der sich jede Person und nicht nur die werdenden Eltern beschäftigen sollten. Aus der Sicht der Inklusionsbewegung wäre ein Schwangerschaftsabbruch nach der 12 SSW nicht rechtens, da dem entstandenen Leben das Recht auf Teilhabe und Inklusion bereits hier verweht bleibt. Fraglich ist hier, ob die Pränataldiagnostik an sich bereits zwischen lebenswertem und nicht-lebenswertem Leben differenziert. Die Inklusion unterstützt diese Differenzierung nicht und würde bereits an diesem Punkt als gescheitert gelten.
      Ich würde mich über deine Meinung freuen.
      Liebe Grüße
      Sophia

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    2. Liebe Leona,
      vielen Dank für deinen konstruktiven Blogkommentar zu unserem Thema. Dir kam die Frage auf, ob man verallgemeinern kann, dass nach einem entsprechenden Befund eine Erleichterung seitens der Eltern auftritt. Mit der Entscheidung der Pränataldiagnostik erwarten die werdenden Eltern bereits ein aussagekräftiges Ergebnis. Die von uns formulierte Erleichterung lässt sich zweiseitig betrachten. Zum einen gehen einige Eltern mit der Erwartung an die Diagnostik, zu erfahren, ob ihr Kind eine Beeinträchtigung oder Krankheit aufweist bzw. entwickeln wird. Mit dieser gewonnen Information erfahren die werdenden Eltern das Gefühl der Erleichterung, da sie keine zusätzliche Vorbereitungen vornehmen müssen (Haus behinderten gerecht umbauen, Krankenhausauswahl,…). Zudem verläuft die Schwangerschaft ohne weitere Eingriffe oder zusätzliche Test. Somit auch ein geringeres Risiko für Mutter und Kind. Erleichterung kann auch bei den Eltern auftreten, die sich ein Leben mit einem beeinträchtigten Kind nicht vorstellen können, indem keine Auffälligkeiten gefunden werden. Dein Input bezüglich der gesellschaftlichen Kreise regt zum Nachdenken an. Dadurch wird deutlich, wie komplex die Auseinandersetzung mit der Thematik sein kann. Die Erwartungen an ein „völlig gesundes Kind“ sind in Industrieländern vermutlich höher als in Entwicklungsländer, da die allgemeinen Voraussetzungen (Gesundheitssystem) besser gegeben sind. Innerhalb der Gesellschaft kann man keine pauschalen Aussagen über betroffene und nicht betroffene Eltern treffen, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielen (finanzielle Lage, Berührungspunkte mit Beeinträchtigten, (Vor-) Erfahrungen,…).
      Liebe Grüße
      Leoni

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  3. Liebe Leoni und liebe Sophia,
    um in Situationen einer Schwangerschaft auf fundierten Argumenten Entscheidungen bezüglich Interruptio, Vorsorge und den Umgang mit Diagnosen finden und fällen zu können, ist es wichtig sich mit Folgeerscheinungen, Risiken und Vorteilen auseinander gesetzt zu haben. Danke für euren Beitrag.
    Ihr habt die invasiven und Nicht-Invasiven Methoden zu Pränataldiagnostik sehr sachlich nach Vor- und Nachteil geschildert. Die angegebenen Links sorgen für die nötige Vertiefung. Der Umgang mit Diagnosen ist sicherlich immer schwierig und in jedem Falle beruht er auf persönlichen Werten, Erwartungen, Zielen und Möglichkeiten, die es zu respektieren gilt.
    Welches ist die Quelle für die Aussage: "Wenn keine Auffälligkeiten erkannt wurden, so tritt seitens der Eltern Erleichterung auf und die Erwartungen an ein völlig gesundes Kind sind hoch. Dennoch können sowohl Perinatale als auch postnatale Komplikationen auftreten, mit denen die Eltern dann nicht mehr rechnen." Fraglich ist, ob man dies so grob verallgemeinern kann. Spannend wäre sich diese Thematik in Bezug auf unterschiedliche Gesellschaftssystem und-schichten anzusehen. Gibt es gesellschaftliche Kreise in denen die Erwartungen an ein "völlig gesundes Kind" höher sind. Inwiefern hat dies auch mit der Erwartung der werdenden Eltern an ihre eigene Gesundheit zu tun und wieviel innigen Kontakt haben diese zu körperlich-/geistig-/sozial behinderten Menschen.
    Schaut man sich die Ziele der Inklusionsbewegung in Deutschland an, so ist verankert, dass behinderten/eingeschränkten Menschen die gleiche Wertigkeit und Teilhabe zugeschrieben werden muss. Andererseits fallen Schwangerschaftsabbrüche nach einem prädiagnostischen Befund unter das Gesetz der medizinischen Indikation. Was bedeutet, dass der Zeitpunkt des Abbruches nicht zwingend an die Schwangerschaftswochen gebunden ist und somit ein Abbruch auch nach der 12 SSW stattfinden kann (siehe: https://www.profamilia.de/themen/schwangerschaftsabbruch). Damit stellt sich die Frage wie können wir als Gesellschaft den Leben körperlich beeinträchtigter Menschen schon vor der Geburt weniger Teilhaberechte (nach der 12 SSW) zuschreiben und gleichzeitig Teilhabe und Inklusion fördern.

    Ich freue mich über eine Antwort.
    Leona Krause

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  4. Liebe Leoni, liebe Sophia,

    ihr habt ein sehr spannendes Thema gewählt, über das man sich auf jeden Fall Gedanken machen sollte, vor allem wenn man als Paar Kinder haben möchte. Mit eurem Blogbeitrag gebt ihr Gedankenanstöße, sich selbst mit den Fragen: „Wie wichtig ist mir Gesundheit an sich und bei meinem Kind?“ und „Wie weit gehe ich, um ein gesundes Kind zu bekommen?“ auseinanderzusetzen, dass finde ich sehr gut. Durch diese kurzen Impulse erhält der Leser die Möglichkeit, über das Gelesene zu reflektieren und gegebenenfalls sich auch noch über Links weiter zu informieren. Manchmal finde ich die Ansätze ein wenig zu kurz, man bekommt zwar Denkanstöße, jedoch um sich ein größeren Überblick zu verschaffen, sollte man sich eure Links anschauen (vielleicht war das auch gerade euer Ziel?). Gleichzeitig muss man sehen, dass die Kürze eures Blog-Beitrags auch den Vorteil hat, dass man schnell einen groben Überblick über das Themenfeld der Pränataldiagnostik bekommt.
    Sehr schön finde ich euren Einstieg, da ihr hier den Bogen zum Thema Gesundheit im Allgemeinen macht und später in eurem Fazit mit Pränataldiagnostik verknüpft und interessante Gedankengänge ausführt. Zuzüglich finde ich eure Grafiken sehr anschaulich, sie animieren einen zum Weiterlesen. Den Kontext Schule habt ihr auch thematisiert, das finde ich ebenfalls sehr wichtig, da die meisten, die euren Blogbeitrag lesen, angehende Lehrer*innen sind. Anhand solcher Diskussionen, die man mit Schüler*innen führt, kann man ihnen aufzeigen, dass es nicht immer ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt.

    Viele Grüße

    Clara

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    1. Liebe Clara,
      Dankeschön für dein ausführliches Feedback zu unserem Blogbeitrag. Es freut mich zu hören, dass dich unser Thema angesprochen hat und du dich damit tiefer auseinandergesetzt hast. Tatsächlich war unser Ziel mit den kurzen Beiträgen zu den einzelnen Aspekten, die Leser*innen zum Nachdenken anzuregen. Da wir beide Sonderpädagogik studieren, war es uns wichtig die Thematik der Pränataldiagnostik so aufzuarbeiten, damit jede*r die Möglichkeit hat, seine eigene Meinung bilden zu können. Dabei wollten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und die Komplexität darstellen. Dennoch wollten wir versuchen, den Leser/ die Leserinnen so wenig wie möglich zu beeinflussen, um sie nicht in eine Richtung zu lenken. Die von uns ausgewählten weiterführenden Links sollen zur Selbstrecherche anregen, um sich mit weiteren Aspekten auseinanderzusetzen. Gerade für uns zukünftige (Sonder)pädagog*innen stellt die Verständnisbereitschaft gegenüber (werdenden) Eltern einen zentralen Bereich dar. Jede*r hat sich nach der Beschäftigung mit solchen sensiblen Themen seine eigene Meinung gebildet. Nun ist es aber wichtig (vor allem für Lehrer*innen), dass man lernt, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen und andere Meinungen zu tolerieren. Nur so kann eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrer*in entstehen.
      Liebe Grüße
      Leoni

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  5. Liebe Leoni und liebe Sophia,
    euer Blog-Beitrag hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Den Begriff „Pränataldiagnostik“ haben sicherlich schon viele Frauen einmal gehört. So auch ich, jedoch habe ich mich damit noch nie konkreter auseinandergesetzt. Umso wichtiger finde ich es, dass ihr auf das Thema aufmerksam macht. Anders als die Frage „Wann ein Leben beginnt“ ist für mich die Interpretationsmöglichkeit des Begriffs „Gesundheit“ greifbarer. Ich habe mir einige Gedanken gemacht wann Leben anfängt, bin jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Dieses gibt es wohl auch nicht. Verständlich das aufgrund dessen die Meinungen und Emotionen bei dem Thema Pränataldiagnostik so weit auseinandergehen.
    Vor allem Invasive Methoden stehen in der Kritik. Bei der Fruchtwasseruntersuchung zum Beispiel, einer Invasiven Methode, bei der mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke Fruchtwasser entnommen wird, sind die Meinungen sehr zwiegespalten. Durch Untersuchen des Fruchtwassers können verschiedene Erkrankungen des Fötus nachgewiesen werden. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko einer Fehlgeburt (siehe:https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/fruchtwasseruntersuchung/). Für einige ist diese Untersuchung nun die Gewährleistung der Grundlage eines unbeschwerten Lebens, des späteren Kindes. Andere meinen, dass aufgrund solcher Untersuchungen ein Schwangerschaftsabbruch ohne jegliche Moral wäre. Nicht-invasive Methoden hingegen werden in der Gesellschaft eher toleriert. Sie sind lediglich Mittel gegen Neugierde.
    Alles in allem ist Pränataldiagnostik ein sehr interessantes und wichtiges Thema. Euren Blog-Beitrag finde ich gut strukturiert. Zudem werden eure Leser*innen informativ über die Grundlagen der Pränataldiagnostik aufgeklärt. Vielen Dank für diesen tollen Blog-Beitrag. Ich hoffe, dass die Aufklärung in Zukunft weiter voranschreitet.

    Liebe Grüße
    Sarah Magalu

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    1. Liebe Sarah,
      es freut mich zu hören, dass dich unser Blogbeitrag zum Nachdenken angeregt hat. Genau das war unser Ziel 😊. Du stellst in deinem Kommentar das zentrale Problem rund um die Pränataldiagnostik dar. Viele kennen den Begriff der Pränataldiagnostik, können jedoch nicht mehr damit anfangen. Uns war es wichtig, dass die Thematik von der gesamten Gesellschaft mehr Bedeutsamkeit erhält. Auch junge Leute sollen sich frühzeitig damit auseinandersetzen, damit später eventuell bewusstere Entscheidungen getroffen werden können.
      Mit der Frage, „wann Leben beginnt“ hast du richtig erkannt, dass diese nicht eindeutig zu beantworten ist. Durch die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen wird vor allem die Sensibilität des Themas deutlich.
      Du stellst außerdem die Bedeutung der invasiven und nicht-invasiven Methode dar. Dabei teilen wir die gleiche Meinung. Manche werdenden Eltern nutzen das Ergebnis der invasiven Methode, um ein „unbeschwertes Leben des Kindes“ gewährleisten zu können. Dabei entscheiden sie über den Kopf des Kindes hinweg und legen fest, was Gesundheit für ihr Kind bedeutet. Dabei wären wir wieder bei der Anfangsfrage: „Wer definiert Gesundheit?“, welche von jedem Einzelnen unterschiedlich beantwortet werden kann. Abschließend würde mich interessieren, was du mit dem Satz: „Sie sind lediglich Mittel gegen Neugierde.“ in Bezug auf die nicht-invasive Methode meinst? Sind nicht beide Methoden in gewisser Weise ein Mittel gegen Neugierde?
      Liebe Grüße
      Sophia

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  6. Liebe Leoni und liebe Sophia,

    vielen Dank für den tollen Blogbeitrag. Eure Themenwahl ist wirklich sehr spannend. Ich kann mich den Kommentaren meiner Kommilitonen nur anschließen. Ich befürworte die Idee solche sensiblen Themen immer mehr im Unterricht anzusprechen und unsere Schüler und Schülerinnen für alle Themen, die im Leben auftauchen, zu sensibilisieren. Das A und O ist wirklich die ausführliche Aufklärung. Es ist wichtig zu verstehen, welche Konsequenzen eine invasive Pränataldiagnostik mit sich bringt und welche Konsequenzen die Eltern ziehen von der Entscheidung keine invasive Pränataldiagnostik zu machen. Der Lehrer oder die Lehrerin muss neutral sein, denn es gibt tatsächlich keine richtige oder falsche Entscheidung. Eine solche Entscheidung ist sehr persönlich und es sollte deshalb nicht in der Hand der Gesellschaft liegen. Die Schüler und Schülerinnen sollen lernen, selbstständig nachzudenken und zu reflektieren.

    Vielen Dank
    Sara Loureiro

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